2. Halbzeit im Etosha

Nachdem wir den Etosha-Nationalpark imIMG_20170621_074046980_HDR Februar untypisch grün erlebt haben, wollen wir im trockenen namibischen Winter einen zweiten Anlauf starten und die typische grau-gelbe Landschaft sehen. Mit einem geliehenen Toyota Hilux und zwei Dachzelten (denn Grüdi sollte eigentlich schon im Hafen in Walvis Bay stehen – eine Planung, die für Afrika mal wieder zu exakt war und so nach hinten losgegangen ist…) geht es von DSC08215Windhuk in Richtung Norden. Erster Stopp ist am Waterberg-Plateau, wo wir in einem sehr idyllisch gelegenen Camp mitten im Busch erfahren, dass sich Schlafen im Dachzelt mit fünf Personen (Ruben schläft auf der Rückbank) anfühlt, als wäre die ganze Nacht Erdbeben. Jedes Mal, wenn sich jemand im Schlaf umdreht, wackelt das ganze Auto – und einer bewegt sich immer! DSC08219DSC08230

Am nächsten Morgen starten wir eine kleine Wanderung zum Aussichtspunkt und erfahren auf dem Historical Path viele Details rund um die Schlacht am Waterberg, die hier 1905 stattgefunden hat und in deren Folge die Herero zu Tausenden in die Kalahari gezogen sind und dort verdursteten.

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Am Nachmittag erreichen wir zum zweiten Mal während unserer Reise den Etosha-Nationalpark und checken im Camp Namutoni ein. Da es in diesem Jahr – wie wir am eigenen Leib erfahren haben –  viel Regen gegeben hat, ist die Landschaft nicht so verdörrt wie in den Vorjahren, aber der Unterschied ist doch deutlich sichtbar:

Das Wasserloch Twee Palms im Februar 2017…

IMG_7918… und im Juni desselben Jahres!

DSCI0012Dieses Mal haben wir zwei Nächte in den Camps Namutoni und Okaukuejo gebucht. Wir sind mit dem Toyota natürlich viel schneller unterwegs als mit Grüdi und fahren auch die kleineren Loops. Endlich sehen wir Giraffen beim Trinken…DSC08255und Helmperlhühner, die nicht direkt flüchten.

DSC08259Hannah bekommt ihr Zebraportrait…DSC08271,der Rest der Herde zeigt uns allerdings mal wieder die Kehrseite.

DSC08293Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir noch den Etosha-Lookout und können die unvorstellbare Weite der Salzpfanne bestaunen.DSCI0038 Im Camp Okaukuejo geht es dann zum Sonnenuntergang ans beleuchtete Wasserloch.

DSC08319Hier sehen wir endlich ein Spitzmaulnashorn aus der Nähe, außerdem kommen noch zwei Löwen und ein Elefant zum Trinken vorbei.

DSC08352Am nächsten Morgen halten wir uns lange am Wasserloch auf. Große Tierherden kommen zum Trinken – es scheint, als gebe es einen geheimen Plan, wann welche Herde erscheinen darf! Gruppen von Zebras wechseln sich mit Gnus ab, dann sind die Impalas und Springböcke an der Reihe, bevor wieder die nächste Zebrafamilie auf der Matte steht.

DSC08438 DSC08519 DSC08386Zwischendurch bewundert sich ein Oryx im Spiegel – es ist toll!

Nach zwei Tagen im Park nehmen wiDSC08542r Abschied und treffen uns noch mit Bjorn, den wir ja in Ägypten und dem Sudan als Reisegefährten hatten. Dann geht es zurück nach Windhuk, wo wir mal wieder die fantastische Gastfreundschaft von Beate, Robert und Chiara genießen dürfen. Von hier bringen wir Grüdi endlich zur Verschiffung nach Walvis Bay und genießen einen letzten herrlichen Sonnenuntergang am Atlantik. IMG_20170625_171614902Bei dieser Gelegenheit kommt auch Maries Flaschenpost endlich ins Meer – ob sie wohl vor uns zu Hause ankommt???IMG_20170625_171252271

Köcherbäume und Kalahari 2.0

Es ist unglaublich: wir IMG_20170611_101644155haben die Grenze nach Namibia gequert, und die graue, dicke Wolkenwand bleibt wie eine Festung direkt über dem Grenzfluss Oranje stehen! Von jetzt an rollen wir durch das weite, trockene Namibia und erleben es in Braun- und Gelbtönen, darüber wölbt sich der strahlend blaue Himmel – es ist ein ziemlicher Unterschied zu dem Südafrika, das wir in den letzten Wochen erlebten.

DSC08142Östlich von Keetmanshoop erreichen wir das Mesosaurus Camp, das auf einem Farmgelände mitten im Köcherbaumwald liegt. Hier stehen über 5000 der wunderschön geformten Bäume, und da diese im Juni blühen, sieht das Ganze noch viel netter aus.

DSC08147 IMG_0064Überall in der Landschaft liegen zudem Wollsack-Granitfelsen, die teilweise absurd übereinander gestapelt sind – es sieht aus, als hätten Riesen mit Bauklötzen gespielt, so dass es eine Attraktion namens „Giant Playground“ gibt. Wir beziehen unser Bushcamp, das weit draußen im Farmgelände liegt, und klettern bei Sonnenuntergang zwischen den Felsen herum.  Die tollen Motive und das Licht animieren uns zu einer Vielzahl an Fotos – hier mal eine kleine Auswahl:DSC08193DSC08194IMG_0069DSCI0058IMG_0073Direkt neben uns steht ein großer Kameldornbaum, in dem sich mal wieder ein riesiges Webervogelnest befindet. Die Kinder sammeln die Früchte, brechen sie auf und servieren den Vögeln daraus Abendbrot und Frühstück. Wir entfachen ein Feuerchen, heizen außerdem den Warmwasser-Donkey an und genießen den tollen Sternenhimmel.

IMG_0080 DSCI0074Am nächsten Tag geht es weiter in IMG_0084Richtung Norden, wir wollen ein zweites Mal versuchen, in die roten Kalaharidünen zu kommen – dieses Mal in der Trockenzeit. Es geht wieder durch Riviere, und sobald uns ein Auto begegnet, reduziert sich die Sicht auf Null.

Es ist wirklich ein großer Unterschied zum ersten Mal, als die Kalahari unter Wasser stand, auch wenn ein Großteil der Flächen noch mit gelbem Gras bedeckt ist. IMG_20170612_170038170Etwas neben der Straße,  ohne den sonst unvermeidlichen Zaun der Farmen, finden wir einen tollen Platz für ein Bushcamp. Leider endet der Versuch, diese versteckt liegende Stelle zu erreichen, schon nach zehn Metern damit, dass wir im puderweichen Sand versinken und uns festfahren – das hatten wir schon schon mal?!  Da es aber dunkel wird, lässt Jochen nur noch die Luft aus den Reifen, Judith kocht Abendbrot und wir beschließen, an Ort und Stelle zu schlafen. Es wird eine sehr ruhige Nacht, nur zwei Autos passieren die Sandpiste, von der wir uns ja nicht weit entfernen konnten. Am nächsten Morgen nutzen wir die Morgenkühle, in der der Sand viel kompakter ist, und können uns ohne Einsatz von Sandblechen wieder freifahren. Nach über einer Stunde ist dann auch der Reifendruck wieder auf Normalniveau, wir können weiter!

Der Pad führt über unzählige rote Dünenkämme, immer wieder sehen wir Springböcke, Düker und Oryxantilopen, dafür aber keine Menschen – Namibia ist halt viel dünner besiedelt als Südafrika, und das gefällt uns sehr gut!IMG_0088 IMG_0093Soviel steht fest: irgendwann werden wir wiederkommen, aber Kalahari 3.0 wird mit einem kleineren Auto stattfinden…

Abschied von Südafrika

Da Regen und Sturm die Westküste Südafrikas fest im Griff haben, beschließen wir, soweit nach Norden zu fahren bis das schlechte Wetter endlich aufhört. So erreichen wir am Samstag abend schon die Grenze nach Namibia. Wir hoffen, ab morgen wieder im Sonnenschein und bei angenehmen Temperaturen unterwegs zu sein!

Hier gibt es schon mal das Reisetagebuch der letzten zwei Monate:

Reisetagebuch Südafrika, Lesotho, Swasiland

und dazu noch die Bildergalerie.

Kapstadt im Sturm

Seit Tagen warnt der Wetterdienst vor dem ersten Wintersturm mit viel Regen, der Kapstadt in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichen soll – war irgendwie klar, denn den Regen haben wir im südlichen Afrika ja schon in einige Regionen mitgebracht… Also sputen wir uns, damit wir die Stadt und vor allem den Tafelberg noch vor dem schlechten Wetter erreichen. DSC08072Früh am Dienstag stehen wir am Fuß des Berges, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, ein laues Lüftchen weht – perfekte Bedingungen für die Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg! Denken wir zumindest, aber „The cable way is due to weather conditions closed“ – das lesen wir an der Talstation. So ein Mist! Wir informieren uns über die Fußwege aufDSC08116 den Berg, können leider auf die Proteste einiger Minderjähriger keine Rücksicht nehmen und machen uns zu Fuß über den Plattekliffkloop auf den Weg. Es geht mächtig steil nach oben – auf 1000m Luftliniendistanz sind über 600 Höhenmeter DSC08080zu bewältigen, das geht ganz schön in die Beine! Aber nach gut eineinhalb Stunden ist es geschafft, wir haben das Plateau erreicht und merken jetzt auch, warum die Bahn geschlossen ist: hier oben pfeift es ordentlich! Wir genießen bei immer noch klarem Himmel die Sicht über die Tafelbergbucht, amüsieren uns über die kleinen Klippschiefern, die uns DSC08102unser Picknick streitig machen wollen, und freuen uns, den Berg mit wenigen anderen Wanderern fast für uns alleine zu haben – es hat auch Vorteile, wenn der bequeme Weg dicht ist!

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DSC08090Bergab geht es etwas angenehmer, aber da der Weg sehr steinig und mit einigen Kletterpartien verbunden ist, sind wir nicht viel schneller. Wieder unten angekommen, sind alle stolz und froh, dass die Eltern sich (ausnahmsweise) mal durchgesetzt haben. Weiter geht es per Grüdi auf den Signal Hill, der zwischen Tafelberg und Meer liegt und von dem man eine tolle Sicht auf den Berg hat. Hier allerdings weigern sich Lea und Marie, noch einen Schritt zu tun – ihr Akku ist fürs Erste alle.

DSC08133Auch das Cape Town Stadium, erbaut zur WM 2010 hat man von hier toll im Blick – es wird nur leider kaum mehr genutzt und von den Südafrikanern als nutzloser „White Elefant“ bezeichnet.

DSC08134Nun geht es zum nächsten Wahrzeichen Kapstadt, der Waterfront. Anfang der 1990er umgestaltet, ist das ehemalige heruntergekommene Werftviertel heute ein großes Einkaufs- und Unterhaltungsviertel. Wir können direkt an der Mole auf dem Busparkplatz parken und gönnen uns – da wir ja viel Geld für die Seilbahn gespart haben – ein ordentliches Abendessen in einem der vielen Restaurants.DSC08135 IMG_20170606_172515107 IMG_20170606_172915085Vollgefuttert verkriechen wir uns in die Betten, denn der Tag war anstrengend genug. Lange dauert die Ruhe allerdings nicht, denn pünktlich im 21:00 Uhr ist – wie angekündigt – der Sturm mit Regen da, und als mitten in der Nacht die Wellen so heftig werden, dass Meerwasser durch das geschlossene Fenster über Rubens Bett drückt, müssen wir uns einen neuen Stellplatz suchen. In den frühen Morgenstunden wird es noch stürmischer, und wir müssen noch einmal umziehen – eine sehr unruhige Nacht!DSCI0031

Am nächsten Morgen tobt der Sturm unvermindert weiter, so dass wir nicht auf den Busparkplatz zurückkehren, sondern uns auf den PKW-Parkplatz quetschen. Dann flanieren wir durch die Waterfront, nutzen die sonnigen Momente für die Außenanlagen mit viktorianischen Gebäuden wie dem Clock Tower und sehen immerhin die Robben Island Jetty mit kleiner Ausstellung – das Boot zur Insel fällt heute wohl aus…DSCI0032

DSCI0033DSCI0034Als wir zurückkommen, staunen wir  nicht schlecht: „unser“ Stellplatz steht unter Wasser, IMG_20170607_145934633überall wurden dicke Steine aus dem Meer auf den Asphalt gespült, und die Wellen brechen hoch über die Mole. Gut, dass wir da nicht wieder geparkt haben!!! Da der Sturm nicht nachzulassen scheint, drehen wir nur noch eine kurze Runde durch die Innenstadt und fahren dann weiter ins Inland.

Momentaufnahme 1 (08.06.2017 18-25)Später erfahren wir, dass alle öffentlichen Einrichtungen und Schulen heute geschlossen blieben und die Bevölkerung aufgefordert wurde, zu Hause zu bleiben – es war der schwerste Sturm seit 30 Jahren, er hat mindestens acht Menschenleben gefordert und viele Gebäude – vor allem in den Armenvierteln – zerstört.

Von Kap zu Kap an der Walküste

Mit dem Goudamma Nationalpark, der die Klimascheide zwischen Sommer- und Winterregengebiet darstellt, erreichen wir die extrem trockenen, gelbbrauen Ausläufer der kleinen Karoo in der Provinz Western Cape. Begleitet von Sandstürmen, vor dem Hintergrund eines immer dunkler werdenden Himmels, kommen wir nach einem langen Fahrtag dann am Kap Agulhas an. Es ist unser 314. Reisetag, an dem wir den südlichsten Punkt Afrikas erreichen – ohne andere Touristen, bei heftigem Wind und frischen Temperaturen!

DSC07898 DSC07913Anders als häufig angenommen ist hier die „offizielle“ Grenze zwischen atlantischem und indischem Ozean und eben auch der südlichste Punkt des afrikanischen Festlandes. Ein Holzsteg führt uns die letzten Meter bis zur gemauerten Gedenktafel, wo wir die letzten Reste des Geburtstagskuchens vom Vortag verspeisen und dann zügig wieder abfahren – es ist nämlich mächtig frisch!

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IMG_9885 Nach einer sehr stürmischen, regnerischen Nacht auf dem verwaisten städtischen IMG_9908Campingplatz geht es am  nächsten Tag weiter fast durchgehend an der Walküste entlang. Wie der Name schon sagt, kommen hier die Wale zum Kalben und zur Aufzucht der Jungen hin – normalerweise in den Monaten Juni bis Oktober. Über Gansbaai und die Walker Bay, in der viele weiße Haie zu Hause sind, erreichen wir Hermanus, die Walhauptstadt – ein wurnderschönes Städchen mit unzähligen Ferienhäusern, DSC07924dementsprechendem touristischen Angebot und dem zwölf Kilometer langen Cliff Walk, von dem aus man Wale gut beobachten können soll. Leider scheinen heute die Wale noch in der Antarktis zu sein, wir bekommen sie jedenfalls nicht zu Gesicht. So gehen wir Fish ´n Chips essen und genießen einfach nur das tolle Panorama am Cliff Walk.

DSC07922 DSC07916Weiter geht es auf der wunderschönen Küstenstraße, wo sich ein Ferienort an den nächsten reiht. Links liegt der Atlantik, rechts die grünen Berge der Hottentoten Mountain Area, darüber strahlt die Sonne vom blauen Himmel – es ist fantastisch!

IMG_9918 IMG_9927IIMG_9926mmer wieder stoppen wir in den unzähligen Parkbuchten und halten Ausschau nach Walen – leider sehen wir nur einmal zwei Tiere, sind uns aber nicht sicher, ob es Wale oder Delfine sind. Wir haben schon die False Bay östlich von Kapstadt erreicht und kommen im Spätnachmittag in Gordons Bay an, wo wir (mal wieder) ein Übernachtungsangebot haben, das wir von einem hier lebenden Belgier den wir in Namibia trafen,  bekommen haben. Nach einem tollen Sonnenuntergang vor der Kulisse des Kaps der Guten Hoffnung (inklusiver spontaner Picknickeinladung von zwei Südafriknern) übernachten wir oberhalb der Stadt vor Pauls Grundstück.

DSC07937 DSC07948Am nächstenTag folgen wir der Küstenstraße und erleben hier auch mal wieder die traurige Realität vieler Farbiger und Schwarzer in Südafrika: einfachste Townships (ehrlicher als Slums zu bezeichnen), in denen Zehntausende leben – und wenige Kilometer weiter wieder noble Häuser, alle ordentlich eingezäunt. Diese Kontraste erschrecken uns immer wieder!

IMG_9967Vorbei an netten Bauten aus der britischen KolonialzeitDSC07953 führt die Straße auf die Kaphalbinsel, immer entlang der Küste und der direkt daneben laufenden Eisenbahnstrecke. Hinter Simons Town erreichen wir den Boulder Beach, an dem sich Mitte der 1980er Jahre ein Pinguinpärchen niedergelassen hat, woraus sich eine über 2000 Tiere zählende Kolonie entwickelt hat. Man kann die Tiere über lange Holzstege beobachten und an einem Strandabschnitt mit etwas Glück sogar ohne Zäune zwischen ihnen umher spazieren. Hier ist allerdings – bedingt durch die Nähe zu Kapstadt – wieder Massentourismus angesagt, wir treffen auf viele Inder und Japaner sowie Deutsche – das sind wir aus den vergangenen Monaten gar nicht mehr gewohnt!

DSC07993 DSC08005 DSC08014Von der Küstenstraße bieten sich wieder einmal tolle Ausblicke über die False Bay – jetzt sehen wir im Dunst in der Ferne die Hottentotten-Berge, an denen wir gestern entlang gefahren sind.

IMG_9975Passend zum Mittagessen erreichen wir dann das Ziel vieler Transafrika-Touren: das Kap der Guten Hoffnung im Table Mountain Nationalpark! Es ist voll, ein Reisebus nach dem anderen rollt heran, spuckt Touristen aus, alle lassen sich schnell vor dem Holzschild fotografieren und müssen zügig wieder zurück in den Bus, das Programm ist eng gesteckt! Wir können uns glücklicherweise mehr Zeit lassen, kochen erst einmal Spaghetti Bolognese und beantworten zwischendurch unzählige Fragen über unsere Reise, während Grüdi, den wir direkt neben dem Schild parken konnten, ständig abgelichtet wird – er reist jetzt digital mit nach Japan und Indien…

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Natürlich lassen auch wir uns mit dem Schild ablichten – jetzt haben wir nach dem südlichsten auch den südwestlichsten Punkt Afrikas erreicht!

DSC08063Zum Abschluss des Kap-Besuchs steigen wir noch zum Leuchtturm hinauf, der Ende des 19. Jahrhunderts hoch über dem Kap erbaut wurde, seinen Zweck aber nur selten erfüllen konnte, da er an vielen Tagen in den Wolken oder im Nebel hing…

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Von oben hat man einen tollen Blick auf des Cape Hope und erkennt deutlich die tückischen Felsen und Strömungen, die schon so vielen Schiffen und ihren Besatzungen zum Verhängnis wurden.

IMG_0018Auf dem Rückweg von der Kap-Halbinsel geraten wir im Sonnenentergang noch in aufsteigenden Küstennebel, der die Fahrt auf der engen Küstenstraße fast unwirklich und etwas abenteuerlich wirken lässt.

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Entlang der Garden Route

Nach den erholsamen Strandtagen geht es von Jeffreys DSCI0104Bay in Richtung Westen. Bevor wir auf die bekannte Garden Route treffen, machen wir noch einen Abstecher auf die Dairy-Farmen von Pierre und Ronelda, die wir am Addo Elefant-Park kennen gelernt haben. Sie betreiben mit ihren zwei Söhnen mehrere milchproduzierende Betriebe in der Region rund um Port Elizabeth sowie in Swasiland – DSCI0100dort ist eine der modernsten Westfalia Separator-Anlagen Afrikas installiert, und sie erwarten Mitte Juni den Besuch des Swasi-Königs! Wir werden aber erst einmal herzlich zum Braai mit Pierre und Ronelda sowie den zwei Managern samt Familie auf der Carmel-Farm DSCI0096empfangen und verbringen einen lustigen Abend. Ruben und Marie dürfen sogar zwischendurch noch einen kurzen Kontrollbesuch beim frisch geborenen Kälbchen machen! Am nächsten Morgen bekommen wir noch eine kleine Rundfahrt über die Farm, sehen die Melkanlagen, den Tierarzt im Einsatz und bewundern einige der 240 Kälbchen. Diese Farm umfasst 500 Hektar, die Fläche reicht für knapp 1500 Milchkühe. Dringend erwartet wird Regen – DSCI0112damit alle Flächen herrlich grün aussehen, muss durchgehend bewässert werden, und die Dämme sind leer.  Kurz vor Weihnachten wütete noch ein schlimmes Buschfeuer, das knapp vor den Farmgebäuden gestoppt werden konnte. Da hilft auch die Nähe zum indischen Ozean nicht…DSCI0109Danach geht es weiter auf die Garden Route, Südafrikas berühmteste Touristenstrecke – mit einem Garten hat sie eigentlich nicht viel zu tun, ist aber mit 1200 mm Niederschlag pro Jahr sehr grün und voller Urwälder. In der Hauptsaison rund um Weihnachten, also in den südafrikanischen Sommerferien, trifft sich hier DSC07754halb Johannesburg, jetzt ist es allerdings sehr ruhig und beschaulich – nur deutsche und japanische Touristen lauern überall… Einige Brücken, wie hier im Bild die Storms River Bridge, überspannen tiefe Schluchten – gerne werden sie auch zum Bungee-Jumping genutzt, was Hannah auch machen möchte – leider verhindert das Veto der Erziehungsberechtigten den Sprung in die Tiefe. DSC07772Wenige Kilometer hinter der Brücke lockt der Big Tree, ein mitten im Urwald stehender Yellowwoodbaum, der 36 Meter in die Höhe ragt und über 30 Meter Kronendurchmesser hat. Er sieht allerdings reichlich morsch aus, so dass wir uns nicht zu lange darunter aufhalten wollen.

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Stattdessen fahren wir zur Mündung des Storms River, die in der Tsitsikamma-Section des Garden Route Nationalparkes liegt. Direkt am Meer liegt das Parkcamp, auf dem wir einen teuren, aber fantastischen Stellplatz  buchen. Die Brandung ist enorm, mit voller Wucht rollen die Wellen auf die Felsenküste, so dass die Gischt extrem hoch spritzt. DSC07799DSC07807Überall liegt ein feiner Dunst in der Luft, so dass der Blick entlang der Küste sehr abenteuerlich wirkt.

DSCI0120Wir machen uns auf den Weg zur Mündung des Storms River, die man in knapp zwei Kilometern Entfernung zum Camp erreicht.

DSC07818DSC07827Über Stege, immer am Berghang entlang, gelangen wir zum Abstieg zu den Hängebrücken. Der Storms River wird von DSC07832einer großen Brücke überquert, über die wir zu einer kleinen Kiesbucht gelangen. Nachdem sich dort alle in Form eines Steinmännchens verewigt haben geht es zurück zum Camp, wo Relaxen angesagt ist.

DSC07842 DSC07848Am nächsten Morgen steigen wir noch zum Aussichtspunkt auf, DSCI0162DSCI0170bevor wir ein Flusstal weiter ins Nature Valley ziehen. Dort geht es bedeutend ruhiger zu, das Camp liegt an einem Fluss, der erst hinter einer großen Sandbank ins Meer mündet. Wir können zwei Kanus leihen und paddeln ein wenig durch die wunderschöne Gegend. Da wir die einzigen Gäste des Camps sind, verbringen wir eine herrlich ruhige Nacht.

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Am nächsten Tag geht es nach dem DSC07854Geburtstagsfrühstück für Lea und Jochen weiter entlang der Küste, um westlich von Pletternberg Bay ins Robberg Nature Reserve zu gelangen. Das Reservat besteht aus einer Landzunge, die einige Kilometer ins Meer ragt und nur von Seehunden, Dükern und Vögeln bewohnt wird. Man kann zwischen drei Wanderwegen wählen und wir entscheiden uns für den längsten, der in gut neun Kilometern rund um die Halbinsel führt und einige Kletterkünste sowie etwas Kondition erfordert. Glücklicherweise sind die gefährlichsten Stellen etwas entschärft – es geht stellenweise ganz schön steil hinab…

DSC07862Wir haben richtig Glück und bekommen nach einigen Kilometern eine kleine Gruppe Wale zu Gesicht (unser Tierexperte Ruben behauptet, dass es sich um südafrikanische Glattwale handelt, wir können das nicht verifizieren…).

DSC07870Am „Point“, der äußersten Stelle der Landzunge, gibt es ein Picknick, bevor wir über glitschige Felsen und an steilen Abhängen entlang zurück wandern – die Strecke ist mit kleineren Kindern wirklich nicht zu empfehlen…DSC07879IMG_20170602_133527045 Zum Abschluss gibt es noch Geburtstagskuchen auf einer kleinen vorgelagerten Insel, bevor eine  letzter fantastischer Blick auf eben diese Insel den Tag abrundet. Zurück am Grüdi geht es in ein Waldcamp, wo  – wir sind halt in Südafrika – das wohlverdiente „Braai“ mit Rinderfilet wartet…

DSC07894Nach so viel Bewegung tut ein Fahrtag gut, und wir rollen über Knysna und Mossel Bay, zwei größere und recht touristische Küstenstädte, dem Ende der Garden Route zu. Zum Abschluss gibt es noch einen netten Blick auf Wilderness, bevor wir uns von der Küste vorerst verabschieden und durch die extrem trockenen, dürregeplagten Regionen der kleinen Karoo rollen werden.

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Strandtage

Vom Hluhluwe-Infolozi Nationalpark erreichen wir Tugela Mouth, eine kleine Siedlung mit wenigen Ferienhäusern, die vor allem von Angelfreunden besucht wird. Auf einem direkt hinter den Dünen liegenden Camp bleiben wir für zwei Nächte, unternehmen Strandspaziergänge und haben erste Wasserkontakte – Schwimmen ist wegen der fehlenden Hainetze allerdings nicht zu empfehlen. Anschließend geht es in die UShaka-Marineworld in Durban, einem kombinierten Wassererlebnispark mit toll hergerichtetem Aquarium, Delphin- und Seelöwenshow sowie einem Wasserrutschenpark, in dem unter anderem die höchste Rutsche Südafrikas steht.

Entlang der South Coast südlich von Durban geht es weiter zur Hibiscus Coast, wo wir in St. Micheals on Sea eine tolle Surfbucht finden. Hier können wir erstmals die Neoprenanzüge und Surf- sowie Bodyboards vom Dach holen und ungefährdet in die Wellen springen. Wir sind zwar in den Subtropen, aber das Wasser ist trotzdem ganz schön kalt! Während Lea, Ruben und Marie mit den Bodyboards vorlieb nehmen, kann Hannah endlich ihre heiß ersehnten ersten Surfversuche unternehmen.DSC07414DSC07404 DSC07462Glücllicherweise sind die Wellen in der geschützten Bucht nicht so hoch, so dass sie nach kurzer Zeit schon Erfolg hat und im Weißwasser immerhin steht!DSC07438Von hier geht es im Hinterland über 700 km parallel zur Wild Coast, die – wie der Name schon vermuten lässt, recht unzugänglich und nicht erschlossen ist – in Richtung Südwesten, bevor wir in Port Alfred wieder den Indischen Ozean erreichen. Mit der Sunshine-Coast beginnt hier der touristischere Teil der Küste, wir erwischen allerdings einen sehr stürmischen Tag mit hohen Wellen – richtiges Bretagnefeeling!

DSC07586 DSC07603 DSC07616Es ist Südwinter, Ende Mai sind die Ferienort wie ausgestorben und die Strände leer – das gefällt uns richtig gut! Etwas südlich der Stadt können wir in Boknes, einer fast völlig verwaisten kleinen Siedlung, direkt am Strand campen – ohne Sicherheitspersonal oder Elektrozäune! Wir lernen Leona, eine verwitwete ältere Dame, kennen, die uns spontan einlädt, ihr Badezimmer zu benutzen und uns am nächsten Morgen ein Frühstück mit selbstgebackenen kleinen Brötchen serviert – die südafrikanische Gastfreundschaft ist wieder einmal umwerfend!

Von hier machen wir einen kleinen Abstecher in den Addo-Elefant-Park, der aber (mal wieder!) reichlich Regen für uns bereithält und somit etwas enttäuschend ist. Außerdem sind alle Camps ausgebucht, so dass wir uns nachmittags einen Stellplatz außerhalb suchen müssen. Hier treffen wir auf Pierre und Ronelda, ein südafrikanisches Farmerpaar, die auch mit einem Allrad-LKW unterwegs sind – da ist das Gesprächsthema natürlich klar… Nach einem interessanten Abend laden die beiden uns ein, sie auf ihrer Milchviehfarm zu besuchen.

IMG_9839Aber erst einmal geht es wieder ans Meer – die Surfermetropole Jeffreys Bay lockt vor allem Hannah! Nach tollen Ausblicken auf die Wellenreiter in den Supertubes buchen wir für Hannah und Lea einen Schnupperkurs und checken auf dem örtlichen Campingplatz ein – dieses Mal wirklich direkt am Strand und nicht durch einen Zaun gesichert – eine Premiere für uns in Südafrika!

Ruben und Marie spielen stundenlang am Strand, bauen große Gebäude aus Sand und Steinen und machen kleine Feuerchen.

IMG_9848Am nächsten Morgen geht es dann los mit dem Surfen – leider bei grauem Himmel und viel Wind, was nach einer Stunde zu extrem durchgefrorenen Kindern mit Eisfüßen führt – aber beide hatten Erfolg und vor allem viel Spaß!

Nach ersten theoretischen Erklärungen am Strand…

DSC07699… und Trockenübungen…

DSC07711 DSC07712klappt es dann auch im Wasser ganz gut!

DSC07747Am darauffolgenden Tag strahlt die Sonne dann wieder und die beiden können ihre zweite Stunde nachholen, was sie auch mit Begeisterung machen!

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Unterwegs im Zululand

Nahe der Grenze zu Mosambik fahren wir vom Kruger Nationalpark weiter nach Swasiland. Leider holt uns der heftige Regen, IMG_20170514_090144476-001der uns am letzten Tag im Park erwischte, auch hier ein, so dass wir das kleine Land nur im Dauerregen passieren – zumal wir im Hlane Nationalpark mit Grüdis Dimensionen nicht fahren dürfen. Einzig erwähnenswert sind die riesigen königlichen Zuckerrohr- und Bananenplantagen, die sich beiderseits der Straße erstrecken.

DSCI0083So kommen wir zügig nach Piet Retief, wohin wir von einigen südafrikanischen Familien im Pilanesberg-Park eingeladen wurden. Wir dürfen bei André und Monique auf der Farm stehen und bekommen dort sogar ein ganzes Haus für uns allein! Der Farmbetrieb besteht aus Forstwirtschaft und Rinderhaltung und umfasst knapp 6000 Hektar – in Deutschland unvorstellbar! Wir werden hervorragend bewirtet und genießen die Gastfreundschaft. Die KinderDSCI0081 spielen mit Joshua und Jade, Jochen kann mit Andrés Hilfe die Stoßdämpfer endlich richtig reparieren und alle freuen sich über etwas Ruhe nach den anstrengenden Tagen im Krugerpark. Nachdem wir in den letzten Wochen im Gespräch mit weißen Südafrikanern ja häufig ein sehr negatives Bild erhalten haben,  erleben wir hier endlich mal einen anderen Blickwinkel auf das multikulturelle Zusammenleben. Andrè und Monique sind überzeugt davon, dass ein Großteil der Bevölkerung von der Idee der Regenbogennation überzeugt ist, es aber noch ein langer Weg ist, da die Unterschiede in den Kulturen akzeptiert und toleriert werden müssen. Ihrer Ansicht nach gibt es auf beiden Seiten einige wenige Rassisten, die aber für viel Unruhe sorgen. Für uns ist es sehr beruhigend, diesen Blickwinkel zu erfahren.

Wie das Zusammenleben im Alltag konkret aussieht, erfahren Judith, Lea, Ruben und Marie, als sie einen Tag in der evangelischen Schule, in der Monique als stellvertretende Schulleiterin arbeitet, miterleben dürfen. Die drei Kinder werden festen Klassen zugeordnet und sie dürfen einen kompletten Schultag bestreiten. DSCI0068Neben kleinen Unterschieden wie z.B. dem morgendlichen Aufstellen mit Nationalhymne und dem Tragen einer Schuluniform, stellen wir alle fest, dass es sonst viele Gemeinsamkeiten gibt – auch hier muss gelernt werden, und auch hier sind nicht immer alle brav… Mit maximal 20 Kindern pro Klasse sind die Lerngruppen allerdings wesentlich kleiner als bei uns – was allerdings daran liegt, dass es eine DSCI0076private Schule ist, in den staatlichen Bildungsanstalten sitzen oft bis zu 80 Kinder in einer Klasse. Ebenso ist die Ausstattung der Schule sehr gut – mit Kreidestaub muss hier niemand mehr kämpfen, jede Klasse hat fest installierte Beamer und interaktive Whiteboards. Die drei genießen den englischsprachigen Schultag in vollen Zügen und würden gerne länger hier die Schule besuchen! Am Abend erleben wir alle noch die Premiere des Musicals „Das Dschungelbuch“, das die gesamten Schulgemeinde aufführt und fühlen uns sehr wohl!

Bevor wir am nächsten Tag weiterziehen, IMG_20170518_101623190fährt André mit uns noch in ein Zulu-Village, das auf seinem Farmgelände steht. Dort lebt der ehemalige und jetzt pensionierte Manager der Farm, Simon, mit seinen fünf Frauen und 28 Kindern. Das Dorf besteht aus einigen Rundhütten, die aber nur  noch als Versammlungsräume genutzt werden, und herkömmlichen einfachen Steinhäusern, von denen jede der fünf Frauen eins bewohnt und aus IMG_20170518_101923383denen Simon sich seine abendliche Schlafstätte aussuchen kann. Die Verhältnisse sind extrem einfach, fließendes Wasser gibt es erst seit einem Jahr, einen Elektrizitätsanschluss gar nicht. Maismehl, die Grundzutat für den täglichen Papp (einen Brei, den es eigentlich zu jeder Mahlzeit gibt), wird selbst erzeugt, Hühner, Kühe, Schweine, Ziegen und Enten sorgen für die IMG_20170518_102202499Fleischversorgung und Gemüse wird ebenfalls angebaut. Die meisten Bewohner des Dorfes arbeiten auf der Farm, und André pflegt einen sehr guten Kontakt zu Simon, um die kulturellen Unterschiede verstehen und bei Problemen zwischen seinen Mitarbeitern helfen zu können. IMG_20170518_102105635_HDR IMG_20170518_102944853_HDR

Das alles erinnert uns extrem an das einfache Leben der Menschen in Albanien, und wir finden es schon sehr erstaunlich, derart unterschiedliche Lebensbedingungen so nah beieinander vorzufinden. Offensichtlich können aber beide Seiten gut damit leben.

IMG_9816Weiter geht es nach Kwazulu Natal, in die Provinz Südafrikas in der die meisten Zulu leben. Hier besuchen wir den Hluhluwe-Infolozi-Nationalpark, der extrem tierreich sein soll. Als wir am nächsten Morgen in der Frühe um sechs am Gate stehen, ist es allerdings vor allem neblig und kalt. Von Tieren keine Spur! Erst als wir  einige Höhenmeter gemacht haben, können wir die herrliche Aussicht über die trüben Talmulden  genießen!

IMG_9823Bis auf ein paar Elefanten in weiter Ferne und wenige Huftiere bekommen wir aber kaum Wild zu Gesicht – der heftige Regen der vergangenen Tage hat wohl alle Vierbeiner ins Unterholz getrieben. Kurz bevor wir den Parkausgang erreichenDSC07380 kreuzt wenigstens noch eine Gruppe Breitmaulnashörner unseren Weg und entschädigt etwas für das viel zu frühe Aufstehen.

Besuch im Kruger NP

 – das gehört natürlich zu einer Südafrikareise dazu! Wir können uns dank der Wildcard richtig Zeit für einen der größten Nationalparks Afrikas nehmen und haben glücklicherweise für vier Nächte Unterkünfte vorgebucht – der Mai ist hier nämlich Rentnerzeit, alle Südafrikaner über 60 zahlen 40% weniger für die Camps, so dass die meisten Unterkünfte ausgebucht sind. Leider sind Ermäßigungen für Kinder oder gar Familien hier nicht vorgesehen, so dass wir auch für Hannah und Lea schon Erwachsenenpreise zahlen müssen – das ärgert uns im südlichen Afrika manchmal ganz schön.

Wir wollen den knapp 400 km langen Park von Nord nach Süd durchqueren und starten unsere Tour im vermeintlich wildarmen Norden. Es ist – wie so oft auf unserer Reise – erstaunlich grün, dichtes Buschland erstreckt sich zu beiden Seiten der Asphaltstraßen. Offiziel dürfen wir die Schotterwege mit unserem Schwergewicht Grüdi nicht befahren, aber selbst die Ranger grüßen uns freundlich, wenn wir ihnen hier begegnen. Vor allem ganz im Norden, entlang des Flusses Luvuvhu, fühlen wir uns fast wie im Dschungel, quetschen uns zwischen hohen Bäumen durch und sehen immer wieder den Fluss mit Krokodilen und Hippos durch das Blattwerk schimmern. Häufig halten wir an, machen auch die Mittagspause einfach am Weg – man darf zwar nicht aussteigen, aber wir haben ja alles was das Herz begehrt in Greifnähe dabei!

So bewegen wir uns in den nächsten fünf Tagen langsam von Nord nach Süd, verlassen die Camps morgens um sechs, wenn das Gate öffnet, und rollen abends erst um kurz vor halb sechs, wenn die Gates schließen, wieder hinein. Rund um die Dämmerung sieht man einfach die meisten Tiere – wir haben allerdings Glück und treffen auch tagsüber auf viel Wild. Am häufigsten sehen wir natürlich die üblichen Verdächtigen: Zebras, Giraffen und Schwarzfersen-Antilopen – auch als Impalas bekannt.

IMG_9609 DSC06829 DSC06927Erst zögerlich, dann aber immer häufiger treffen wir auch auf Elefanten – mal als Einzelgänger, oft aber auch als große Herden – erst am Wasserloch im Camp, nur durch einen Zaun von uns getrennt…

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… dann in Form einer großen Herde mit vielen Kälbern – direkt vor uns auf dem Weg!

DSC06929 DSC06938Ein halbwüchsiger Bulle versucht schon Mal, uns mit einem Möchtegern-Scheinangriff zu beeindrucken…

DSC06947… und dann kommen Mama und Tante und machen klar, wer hier der Chef ist!

DSC06961Da legt dann auch der Ranger, mit dem wir zum Sunsetdrive unterwegs sind, fix den Rückwärtsgang ein!

Mehrfach sehen wir Elefanten beim Baden (und was man da sonst noch so treibt…) im Fluss – nach Aussage des Rangers ein wirklicher Glücksfall!

DSC06847Und dieser junge Herr zeigt uns direkt an der Straße, wie man effektiv an die leckere Baumrinde kommt – sehr zum Leidewesen der Bäume…

DSC07229Hier ein kurzes Elefantenvideo:

Zwischendurch genießen wir immer wieder die tolle, abwechslungsreiche Landschaft mit Baobab-Bäumen,

IMG_9633tollen Flussläufen,IMG_9734 IMG_9742 IMG_9749und Sonnenuntergangsstimmung!IMG_9777IMG_9692

Am zweiten Abend gönnen wir uns im Shingwezdi-Camp einen dreistündigen Sunsetdrive und haben das Glück, das Safarifahrzeug ganz für uns alleine zu haben!

IMG_9673Kurz vor dem Sonnenuntergang treffen wir erst auf eine große Elefantenherde, im Dunklen dann noch auf weitere Elefanten, einen Büffel, viele Huftiere und dann – gegen Ende des Drives – tatsächlich auf einen Hyäne…

IMG_9712 …und drei Löwinnen, die gerade auf die Jagd gehen.DSC06979 Am nächsten Morgen sind wir um kurz nach sechs wieder an derselben Stelle – und die drei liegen tatsächlich vollgefuttert auf dem Asphalt und setzen sich nur langsam in Bewegung.

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Ihre männlichen Artgenossen  (die in der Regel nur fürs Fressen und nicht für die Jagd zuständig sind) treffen wir dann im Laufe der nächsten Tage: mal faul unter einem Baum liegend,

DSC07036am letzten Tag dann direkt an der Straße…DSC07313… und durch die vielen Autos ganz schön aus dem Konzept gebracht!

DSC07318Der nächste Vertreter der Big Five tritt zunächst als Einzelgänger auf

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bevor sich dann die ganze Herde präsentiert!

DSC06856Die im Park lebenden Nashörner halten sich etwas bedeckt und lassen sich nur von hinten oder aus der Ferne ablichten:

DSC07132 DSC07175Und plötzlich- wir hatten es kaum zu hoffen gewagt – sitzt direkt am Straßenrand der letzte der Big Five: ein wunderschöner Leopard, der immer wieder zu uns herüberschaut, bevor er sich langsam ins Unterholz verzieht.

DSC07154 DSC07159 DSC07169Wir sind total begeistert und kommen vor lauter Freude fast zu spät im Camp an! Es gefällt uns so gut, dass wir zwei Tage länger bleiben, nachdem wir noch einen Platz im Camp ergattert haben. Hier noch einige unserer vielen tollen Eindrücke – unter anderem entdecken wir noch die seltenen Wildhunde!

DSC07221DSC06821 DSC06884 DSC07294 DSC07202 DSC07100 DSC07077 DSC07096 DSC07055 DSC06967 DSC06924 DSC06911 DSC06879 DSC07177 DSC07182

Canyon im Dunst…

Von Johannesburg geht es in Richtung Osten. Wir passieren Ortschaften, in denen offensichtlich viel verarbeitende Industrie angesiedelt ist, und erreichen die großen Kohle- und Goldminenregionen Südafrikas rund um Witbank. Landschaft, Siedlungen und Menschen erinnern uns an das Ruhrgebiet der 80er Jahre. Erschreckend oft sehen wir auch viele sehr arme Leute, sogar ganze Familien mit kleinen Kindern, die auf einer Müllkippe leben. Armut ist vor allem in der farbigen Bevölkerung immer noch ein Riesenproblem. Irgendwann geht es in die nördlichen Ausläufer der Drakensberge. Kontinuierlich steigt die Straße an, wir passieren endlose Kiefernwälder in denen Holz geschlagen und in Plantagen auch wieder aufgeforstet wird. Würden nicht ab und an Affen die Straße kreuzen, könnte man sich fast im Sauerland wähnen. Im Örtchen Sabie finden wir ein nettes Camp bei einem älteren Ehepaar, das uns herzlich aufnimmt und mit dem wir intensiv über die politische Situation Südafrikas reden. Es scheint zur Zeit für die weiße Bevölkerung wirklich sehr schwierig zu sein, über 20 Jahre nach dem Ende der Apartheit hat sich aus ihrer Sicht der Spieß umgedreht, sie fühlen sich definitiv nicht mehr erwünscht im Land, täglich werden Farmer ermordeü. Diese Aussage hören wir immer wieder – das gibt uns schon zu denken, wirklich beurteilen können wir das allerdings nicht. So hören wir einfach nur zu und versuchen, ein ausgewogenes Bild zu bekommen.

Zwei Tage später starten wir nachDSCI0012 dem Frühstück mit Ponygesellschaft morgens in Richtung Blyde River Canyon. Er ist bis zu 800m tief und gehört damit zu den größten Naturwundern Afrikas. Eine Panoramastraße führt von Süd nach Nord durch die Berge, eine Attraktion reiht sich aIMG_9559n die nächste. Unser erster Stopp ist die sogenannten Pinacle, ein einsamer Felsendorn, der in einer Schlucht in die Luft ragt. Wenige hundert Meter weiter öffnet sich „Gods Window“, von dem aus man bei guter Sicht weit in den Krüger Nationalpark und nach Mosambik schauen kann. Leider ist es heute sehr diesig, aber der Ausblick ist trotzdem toll.

IMG_9568Hier scheint heute deutscher Tag zu sein, wir treffen auf Busladungen von Touristen, die  natürlich alle wissen wollen, wir wir mit dem deutschen Kennzeichen aus ihrer Heimat hierhergekommen sind. Außerdem bieten die Einheimischen Souvenirs aller Art an, was unsere Vier natürlich mal wieder in einen Kaufrausch verfallen lässt…

Weiter geht es zum eigentlichen Beginn des Canyons, den Bourkes Luck Potholes. Hier haben Wasserstrudel in Jahrtausenden runde Löcher in den Sandstein geschmirgelt – es sieht toll aus!

DSCI0028 DSCI0022 DSCI0021Anschließend hat man von einem weiteren Aussichtspunkt einen tollen Blick in den Canyon, der zwar auch durch roten Sandstein verläuft, aber anders als sein großer Bruder „Grand Canyon“ an den Hängen üppig grün bewachsen ist. Leider hat sich der Dunst immer noch nicht aufgelöst, so dass die Sichtweite sehr eingeschränkt ist.

IMG_9587Den aufgestauten Blyde River, der sonst blau am Fuße des Canyony schimmert, kann man in der Ferne nur erahnen.

IMG_9596Als letzte Attraktion auf der Panorama-Straße warten die „Three Rondavels“, drei Bergkegel die wie überdimensionale afrikanische Rundhütten aussehen. Sie haben die Namen der drei zänkischen Ehefrauen eines Pulana-Clanchefs aus dem 19. Jahrhundert erhalten und erinnern so an den erfolgreichen Widerstand gegen die Swasi.

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Leider trübt auch hier der Dunst die Sicht – vielleicht haben die drei sich gerade mal wieder richtig gezankt, so dass die Luft kocht???