Zahlen über Zahlen – ein bisschen Statistik zum Schluss!

6 Westfalen, 1 Grüdi, 11 Monate

IMG_8250– da geht doch noch mehr!!! Wir haben recht genau Kassen- und Fahrtenbuch geführt, jeden Tag etwas im Tagebuch notiert und das Ganze nun mal zusammengefasst:

339 Tage

waren wir unterwegs, davon 65 Tage (=20%) in Europa0204Europa und 274 Tage (=80%)  auf dem afrikanischen Kontinent (auf den Tag genau neun Monate!).

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38.040 km

haben wir insgesamt zurückgelegt, davon 15% in Europa. Laut Google Maps sind es über die Ostroute nur gut 16.000 km von Deutschland bis zum Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt unserer Reise. Wir haben natürlich – vor allem im südlichen Afrika – viele Schlenker gemacht und sind so auf mehr als das Doppelte gekommen – eine Zahl, die uns auch etwas überrascht hat. Da wir in der letzten Woche in Namibia noch 2.400km mit dem Leihwagen gefahren sind, hat unser treuer Grüdi allerdings „nur“ 35.700km der Strecke bewältigen müssen. Die 100.000 km-Marke hat er erst wieder in Westfalen nach der Rückkehr aus Hamburg überschritten – ist also quasi ein Neuwagen!!!

112 km/Tag

IMG_20161031_091922176sind wir durchschnittlich gefahren – hier stehen allerdings 194 Tage mit Fahrleistung (57%) IMG_20161031_133149724den IMG_7369DSC04305-001145 Standtagen gegenüber, an denen wir einfach nur die Gegend genossen, gebadet, besichtigt oder auch einfach versucht haben, ein Visum zu bekommen oder Grüdi aus der Kalahari zu buddeln…

Die längste Tagesfahrstrecke betrug 565 km – an dem Tag mussten wir von Twyfelfontain bis nach Windhuk kommen, weil uns nach 50km auf namibianischem Wellblech der Hinterreifen geplatzt war und wir damit ohne Ersatzrad unterwegs waren..

8.900 l Diesel

hat unser Grüdi geschluckt, das sind 24,9 l pro 100km – umgerechnet auf die Personenanzahl gar nicht so schlecht, oder? Bei einem durchschnittlichen Spritpreis von 0,73 € pro Liter Diesel waren das Treibstoffkosten von insgesamt 6.500,- €.

220 Nächte

haben wir auf einem Campingplatz, IMG_20170304_192047177_HDRbei einer Lodge oder auf einem sonstigen ausgewiesenen Stellplatz verbracht. Wir hatten eigentlich gedacht, mehr wild stehen zu können, aber das ist nur in 57 Nächten gelungen (und das vor allem in Europa). Vor allem im südlichen Afrika wurden wir immer wieder davor gewarnt, wild zu stehen, da die 0021SudanGefahr eines Überfalls zu groß sei. Am einfachsten war es eigentlich im Sudan, wo wir im Vergleich zur Aufenthaltsdauer oft irgendwo im Nirgendwo standen.

Weitere 46 Nächte konnten wir auf Privatgelände stehen,IMG_20170317_181204075_HDR  und als Grüdi verschifft wurde und im Hafen von Alexandria auf seine Befreiung aus dem Zoll wartete bzw. als wir die Kalahari ohne Grüdi verlassen mussten, haben wir elf Nächte im Hotel und fünf in einem Ferienhaus 0013Ägyptenverbracht.

19 Länder

haben wir auf unserer Tour bereist. Waren die Grenzübertritte zwischen den acht europäischen Ländern meist kaum spürbar, so haben uns die Formalitäten an den elf Grenzen in Afrika häufig an den Rand des Wahnsinns getrieben – Höhepunkt waren

9 Stunden

die der Grenzübertritt zwischen Ägypten 0241Ägyptenund dem Sudan dauerte! Und hätten die Sudanesen nicht um 18:00 Uhr Feierabend machen wollen und uns so quasi aus dem Grenzgelände rausschmeißen müssen, hätte es sicher noch länger gedauert…

Die schnellste afrikanische Grenzprozedur war übrigens die Rückreise von Lesotho nach Südafrika: das Ganze dauerte nur 15 min, incl. eines kurzen I-Pad-gelenkten (!) Interviews durch Mitarbeiter des Tourismusministeriums von Lesotho.

1

platter Reifen hat uns erwischt – da hatten wir mehr befürchtet. Nachdem wir fast ganz Afrika DSC04833ohne Plattfuß durchquert hatten, haben uns die unglaublich schlechten Gravelpisten in Namibia (vermutlich in Kombination mit „nicht angepasster Fahrweise“) kurz hinter Twyfelfontain den rechten Hinterreifen komplett zerstört. Zum Glück gab es in Windhuk den gleichen Reifen als Ersatz – leider etwas teurer als in Deutschland. Außerdem haben uns Längsrillen in deIMG_20160906_133535973n quasi neuen Bridgestone-Reifen schon in Griechenland Probleme bereitet und uns zu einer mehrtägigen Zwangspause in Ioannina verholfen, von wo die Reifen nach Thessaloniki zum Gutachter verfrachtet wurden. Angeblich seien die Risse unbedenklich – das zumindest erhielten wir schriftlich in Griechisch bestätigt. Wir vermuten nach wie vor, dass die ganze Charge fehlerhaft produziert wurde, denn auf dem neuen Reifen aus Windhuk (andere Charge und anderes Produktionsland) trat dieses Problem nicht auf.

10

„richtige“ Reparaturen an Grüdi standen an, davon sieben Mal unter Beteiligung örtlicher Mechaniker. Die 0159ÄgyptenBremse machte schon in Ägypten und dem Sudan Theater und erforderte (mehr oder weniger) professionelle Hilfe, bevor das Problem mit nach Kenia eingeflogenen neuen Bremszylindern aus Deutschland endgültig behoben werden konnte. Außerdem waren in Namibia neue Bremsbeläge fällig, in Äthiopien riss die Dieselleitung (und wurde unter fachkundiger Begutachtung durch mindestens 20 Schaulustige von Jochen repariert), in DSC02493Kenia musste die Ausziehleiter und in Namibia eine Stauboxaufhängung geschweißt werden. Zusätzlich fiel in Südafrika der vordere Stoßdämpfer ab und war etwas aufwendiger zu fixieren.

Ungezählt bleiben die x Male, an denen Jochen alle Schrauben wieder nachgezogen hat und alles abschmierte sowie die turnusmäßigen Öl- und Filterwechsel durchführte – Grüdi hat schließlich in einem jahr die Fahrleistung der letzten zehn Jahre absolviert!

1

Unfall haben wir gehabt: an einem Strand im Süden Kroatiens war die Zufahrt (verbotswidrig!) 0082Europavöllig zugeparkt, so dass Jochen leider einen kleinen Fiat übersehen und mit Grüdi etwas eingebeult hat. Der Fiat hatte eine ordentliche Beule, im und am Grüdi hat man nichts bemerkt – soweit zum Gewichtsvorteil. Die Versicherung des kleinen Italieners hat sich nicht wieder gemeldet.

2,5

kaputtgegangene Sachen: der Laptop hat die Hitze im Sudan nicht gepackt und konnte zwar in einer Not-OP durch Jochen reanimiert werden, lief dann aber leider nur noch mit halbem Arbeitsspeicher und aussschließlich unter 230 V (was unterwegs recht hinderlich ist…). Außerdem erhielt Leas I-Phone in Südafrika die niederschmetternde Diagnose: „It´s completely dead… Sorry!“. Als halbe Sachen zählen wir die vielen T-Shirts, die der heftigen UV-Strahlung Afrikas nicht gewachsen waren und zerfielen bzw. komplett die Farbe wechselten.

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verlorene Sachen: eine Gabel liegt vermutlich immer noch im Spülbecken eines griechischen Campingplatzes, ein Teelöffel blieb im German Guesthopuse in Khartum, ein Tupperdeckel ruht nun in Grootfontein. Außerdem stehen Rubens (neue) Flipflops an der Seilbahn eines Camps bei Plettenberg Bay und Judiths Halbsandalen an der Dusche im Tsitsikamma NP. Schon in Griechenland schwamm Lea ein Flipflop in den Fluten des Archeron davon (wir konnten allerdings in den Bäumen am Flußufer einen fast gleichgroßen Ersatz finden).

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gesundheitliche Beschwerden: ein abgebrochener Backenzahn in Albanien (er hält auch jetzt noch), Ohrentzündungen bei Lea nach zu viel Meerwasser (wir konnten selbst mit Tropfen heilen), Magen-Darm-Probleme bei allen nach einer kulinarischen Bootsfahrt auf dem Nil in Assuan (hier musste Jochen sogar zwei Infusionen bei Judith legen und konnte das hohe Fieber nur mit Novalgin senken), eine Gehörgangsentzündung in Tansania (der erste Arztbesuch für umgerechnet zwei Euro), Rubens Quallenkontakt in Kenia (kalte Holzasche verhalf zu sofortiger Linderung!), Infekt mit hohem Fieber bei Marie an der Grenze von Samiba zu Botswana (Malariatest beim Arzt, das Honorar ging mit knapp 40,-€ wieder auf deutsches Niveau), Ruben mit demselben Infekt einige Tage später, Jochens Intercostalneuralgie (mitten in der Kalahari eingefangen beim Buddeln im Schlamm und ebendort diagnostiziert durch eine zufällig vorbeikommende Münchener Chirurgin) Medikamenteund Fieber bei Judith in Windhuk (wo der Malariaselbsttest aber schnell Beruhigung brachte).

Alles in allem aber kein wirklich schlimmes Ereignis, wir haben wirklich Glück gehabt und die unzähligen Medikamente, Verbände, Nähzeug etc. umsonst mitgenommen – Gott sei Dank!

28

Wochen lang Lariam genommen, keine Nebenwirkungen gehabt, zusätzlich mit Nobite geschmiert, kein Malaria bekommen.

47

Impfungen vor der Reise bekommen – von Tetanus überImpfungHepatitis bis zu Gelbfieber und MeningokokkenACWY, auch Tollwut war dabei. Das meiste davon im Rudel beim Kinderarzt erledigt.

1x

Schmiergeld bezahlt – direkt am zweiten Tag in Afrika, als Jochen mitten in der Nacht von Alexandria zum Flughafen nach Kairo zurück musste, um den unleserlichen Einreisestempel erneuern zu lassen, da wir Grüdi sonst nicht aus dem Zoll bekommen hätten. Sehr ärgerlich, aber nach stundenlangen nervenaufreibenden Diskussionen, viel Fahrerei und blank liegenden Nerven schlussendlich die einfachste Lösung.

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unangenehme Situationen: das erste Mal in Kairo, als wir plötzlich vor dem Bazar Khan el Khalili von vielen Sicherheitskräften eingekesselt wurden, weil der ägyptische und der sudanesische Präsident sich in der großen Moschee trafen und wir mitten drin standen – soweit zum Thema „Menschenmassen meiden“… Nicht so toll waren auch drei kleine Steinewerfer in Äthiopien, die allerdings wenig Zielwasser getrunken hatten. Wirklich unruhig waren wir in zwei Nächten, in denen wir innerhalb von Ortschaften frei standen: beim ersten Mal in Tivi Beach war der Nachtwächter plötzlich verschwunden und uns umkreisten schwarz vermummte Kerle (die sich später als die Nachtschicht des Sicherheitsdienstes herausstellten…), beim zweiten Mal in Hluhluwe machte uns ein äußerste aggressiver Taxifahrer den extra zugewiesenen Platz an der Tankstelle streitig – letztendlich beides nicht wirklich gefährlich, aber eben unangenehm.

DSC04293-001Die sicherlich schlimmste Situation der ganzen Reise war unser unfreiwilliger Fünftagesaufenthalt in der Zentralkalahari in Botswana, wo wir schlicht und ergreifend im Matsch versunken sind, evakuiert wurden und nur mit viel Glück nach zwei weiteren Tagen unseren Grüdi wieder befreien konnten – selbst die zwei Bergungs-LKW, die zu uns geschickt wurden, waren vorher im Schlamm versunken. Das hätte auch des Ende unserer Reise sein können!

125,- €

haben wir im Schnitt pro Tag für uns sechs ausgegeben – in diesem Betrag sind alle Kosten der Reise enthalten, also auch die Flüge und die Verschiffung. Eine genaue Aufschlüsselung gibt es mal als Grafik:

Unbenannt-1Natürlich waren die Kosten je nach Land sehr unterschiedlich. In Nordafrika lagen beispielsweise die Dieselpreise extrem niedrig (ca. 0,18 €/Lilter), ebenso die allgemeinen Lebenshaltungskosten für Grundnahrungsmittel, das Angebot war allerdings auch sehr eingeschränkt. Dafür fielen aber sehr hohe Kosten für Visa, Permits und Zoll etc. an.

Ab Kenia war praktisch alles in den großen Suptermärkten wieder zu bekommen, es kostete aber auch mehr als in Europa, teilweise (z.B. Käseprodukte) bis zu 400% unserer Preise! Auf den regionalen Märkten war das Angebot viel kleiner, aber auch deutlich günstiger. Dafür lagen die Eintrittspreise in Ostafrika (v.a. Kenia und Tansania) in exorbitanten Höhen, Extrembeispiel können die Nationalparks in Kenia sein, wo wir für einen Tag (ohne Übernachtung) 680,- US$ zahlen sollten – das wollten und konnten wir nicht.

Im südlichen Afrika wurden die Parkeintritte dann wieder günstiger, bestes Beispiel ist hier in Südafrika die Wildcard (international Cluster) für ca. € 300,-, mit der man für 365 Tage als Familie in über 80 Parks freien Eintritt hat. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten (Einkauf in den Supermarktketten) und Dieselpreise liegen ungefähr auf deutschem Niveau. Relativ erschrocken waren wir über die Camppreise, da die Übernachtungsgebühren für Kinder häufig nur wenig unter den Erwachsenenpreisen liegen, Kinder ab 12 grundsätzlich als Erwachsene zählen und Familienrabatte unbekannt sind – da sollten wir als Großfamilie mit vier Kindern oft sehr viel pro Nacht zahlen, was oft nicht gerechtfertigt ware und uns zu etwas Kreativität veranlasste.

1000

Dank möchten wir allen sagen, die unsere Reise von zu Hause aus unterstützt haben, mit denen wir unterwegs tolle Erfahrungen teilen durften oder die uns mit Rat, Tat und Quartier zur Seite standen: an erster Stelle natürlich unsere Eltern und Geschwister, Freunde, Nachbarn und Kollegen, dann Birgit und Gunda vom Reise Know-How, Anselm und Johanna, Mischa und Juliane, Pater Andreas und Schwester Gratias aus Fushe Arrez, unser treuer Reisepartner Bjorn, die Schmiders, Mahmoud und Mustafa aus Kairo, unsere Kalaharigefährten Ruth und Walter, Robert und Beate aus Windhuk, Ed und Felicitas aus Johannesburg, André und Monique aus Piet Retief, Spediteur Olaf mit Namship sowie viele andere Lang- und Kurzzeitreisende, Einheimische und andere Menschen, die uns getroffen, unterstützt und ermutigt haben.

Ein netter Bericht

Fast drei Monaten nach unserer Rückkehr hat uns eine nette Mitarbeiterin der Westfälischen Nachrichten besucht und mit etwas Distanz über unsere Reise berichtet – hier der Artikel:

WN vom 23.9.17

Nachdem die Schule vor gut drei Wochen wieder begonnen hat, haben sich alle Kinder in ihren neuen Klassen bzw. Jahrgangsstufen gut eingelebt und gehen morgens gerne los. Wir merken allerdings viel deutlicher als vor der Reise, wie sehr der Alltag von Terminen bestimmt wird: die Schule nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, dann kommen noch Sportverein, Musikunterricht und Messdienergruppen dazu, so dass kaum Familienzeit bleibt. Das vermissen wir wirklich sehr!

Umso mehr realisieren wir jetzt, wie toll es war, dieses eine Jahr ohne Termindruck von außen verbringen zu können! Gerne würden wir ein neues Projekt in Angriff nehmen, aber das wird sich in dieser Konstellation wohl nicht noch einmal verwirklichen lassen. Aber nachdem nun immerhin Grüdi durch den TÜV gekommen ist, nutzen wir ihn zumindest für kurze Trips am Wochenende.

 

Unsere Reise im TV

Nachdem uns der WDR schon in Jeffreys Bay erwischt hatte und in der Rubrik „Lokalzeit goes global“ über unsere Reise berichtet hatte, haben sie jetzt auch Grüdis Rückkehr in Hamburg begleitet und uns als Studiogäste zum WDR nach Münster eingeladen. Leider ist aus Beleuchtungsgründen dort nur Platz für einen Studiogast, so dass Judith hierfür auserkoren wurde und die anderen im Beitrag zu Wort kamen. Lea war leider im Urlaub, so dass sie nicht explizit dabei ist.

Wir haben beide Beiträge hier verlinkt, viel Spaß beim Anschauen!

Lokalzeit Münsterland vom 05.07.2017

 

Lokalzeit Münsterland vom 10.08.2017

 

 

Auch Grüdi hat es geschafft!

Ende Juni mussten wir unseren treuen fahrbaren Untersatz Grüdi schweren Herzens in Walvis Bay zurücklassen – leider hatte das gebuchte Schiff zwei Wochen Verspätung, so dass wir (anders als geplant) vor dem Ablegen des Schiffes nach Hause fliegen mussten. Glücklicherweise war es Olaf von Namship in Walvis Bay gelungen, zumindest das Carnet de Passage (Grüdis Zolldokument) abstempeln zu lassen, so dass es mit uns nach Hause fliegen konnte. Knapp zwei Wochen später erhielten wir dann endlich die Nachricht, dass unser Truck auf der „Bright Sky“ in Richtung Deutschland schippert, sogar unter Deck und angeblich RoRo (also gefahren, nicht gekrant) verladen wurde. Am 31. Juli sollte das Schiff in Hamburg anlegen – unterwegs verfolgten wir es im Internet mit dem Vesseltracker und konnten so die Zwischenstopps in Vigo und Rotterdam „live“ miterleben.

Passend zu Jochens erstem ArbeitstaDSC09034-001g am 2. August sollten wir dann in Hamburg stehen, um Grüdi in Empfang zu nehmen – dabei war alles so gut geplant gewesen…So machen sich erst Judith, Hannah, Ruben und Marie auf den Weg und suchen schon mal den Hamburger Hafen optisch ab: von den Landungsbrücken aus ist natürlich kein Grüdi zu sehen.

DSC09072-001Durch den Alten Elbtunnel geht es auf die andere Seite, auch hier gibt es tolle Ausblicke, aber keinen Grüdi. Später fahren wir mit den Elbfähren Richtung Övelgönne, entlang an großen Hafenanlagen, und werden einmal ordentlich nass.

DSC09076-001Wir bewundern die atemberaubende Sicht auf die Hafenanlagen in direkter Nähe zur City und fragen uns, ob Grüdi wohl mit einem dieser Kräne abgeladen wurde… Hoffentlich hat er das unbeschadet überlebt!!!DSC09080 DSC09095-001 So sehr wir auch gucken – er ist nicht zu sehen, wir müssen uns bis zum nächsten Tag gedulden! Wir treffen Judiths Bruder mit Familie und können bei ihnen die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen kommt Jochen direkt aus seinem ersten 24h-Dienst nach Hamburg gesaust, und gemeinsam mit Judith und Hannah geht es in den Hafen, wo wir bei der deutschen Partnerfirma von Namship verabredet sind. Nachdem die Zollfreigaben erledigt sind, geht es zum Südwestterminal – aber irgendwie kommt uns die Fahrt eigenartig vor, es geht nämlich nach Norden!? Als wir in die Afrikastraße einbiegen, die zum Windhukkai führt (wie passend!), geht uns ein Licht auf: vermutlich heißt das Terminal nicht so, weil es im Südwesten des Hafens liegt, sondern in Anlehnung an Deutsch-Südwest, die Bezeichnung Namibias zu Zeiten der Kolonialpolitik!Momentaufnahme 1 (09.08.2017 22-28)

Bevor wir das Terminal betreten dürfen, müssen wir alle unsere Pässe abgeben und werden mit Warnwesten ausgestattet. Dann geht es zu Fuß los, überall um uns stehen große Container und riesige Gabelstapler sausen umher. Aber wo ist nun Grüdi?

DSC09115Hoffentlich steht er nicht inmitten dieser Containerberge! Unser Agenturmitarbeiter fragt sich durch, die erste Auskunft: das kann dauern! Plötzlich kommt dann aber ein Arbeiter des Terminals und teilt uns mit, dass Grüdi hinter der Halle stehe und sehr schön geflogen sei – er wurde also per Kran entladen. Hauptsache, die haben ihn gut festgemacht und sanft landen lassen…. Wir werden durch eine Halle geführt, und plötzlich steht er da!! Auf den ersten Blick sieht er aus wie immer – nur sehr sauber, was aber bei dem Regen der letzten Tage nicht wirklich erstaunt! IMG_20170803_132134134-001 Im Hintergrund sehen wir das alte Kreuzfahrtteminal an den Landungsbrücken, wir hätten Grüdi also am Vortag sehen können, wenn wir etwas weiter in Richtung Elbphilharmonie gegangen wären! Jochen muss auf Geheiß des Mitarbeiters erst einmal einen Rundumcheck machen, denn Reklamationen bei etwaigen Einbrüchen werden später nicht mehr akzeptiert. Wir stellen erleichtert fest, dass alle Fenster, Dachluken und die Tür unversehrt sind, sogar im Fahrerhaus fehlt nichts! Und dann kommt der spannende Moment: Jochen betätigt den Startknopf! Wird Grüdi nach über fünf Wochen anspringen, oder benötigen wir das NATO-Überbrückungskabel? Aber unser Dicker lässt uns nicht im Stich: völlig unproblematisch lässt Momentaufnahme 1 (09.08.2017 22-33)sich der Motor starten, Kommentar der Reedereiarbeiter: „Oh, das erleben wir hier bei verschifften alten Trucks selten!“ Wir sind mächtig erleichtert, als wir  mit unversehrtem Reisemobil aus dem Terminalgelände rollen. Nun geht es noch schnell zum Zoll, der aber nur einen schnellen Blick auf die Fahrgestellnummer wirft und dann nach etwas Wartezeit das Carnet stempelt – das war wirklich einfach!

Über die Köhlbrandbrücke verlassen wir den Hamburger Hafen, genießen den Blick und freuen uns wirklich, das die Verschiffung – wenn auch mit Verspätung – so unproblematisch geklappt hat. Jetzt sind wirklich alle Reisegefährten wieder daheim!

DSC09151-001Am nächsten Tag geht es nach Hause, wo schon ein Team des WDR auf uns wartet, um nach dem Beitrag „Lokalzeit goes global“ noch einen kurzen Abschlussbeitrag zu unserer Reise zu drehen. Damit ist unser Reiseblog vorerst beendet – bald wird der Alltag wieder Einzug halten! Aber sicherlich werden wir dieses fantastische Familienabenteuer nie vergessen und lange davon zehren! Außerdem können wir hoffentlich noch viele Urlaube mit Grüdi machen, mal sehen, wohin es uns im nächsten Sommer verschlagen wird…

Wieder daheim!

willkommen2Nachdem wir Grüdi schweren Herzens in Walvis Bay abgegeben haben, kommt auch einige Tage später für uns der Moment des Abschieds vom afrikanischen Kontinent. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geben wir unseren Leihwagen am Flughafen von Windhuk ab, checken bei Air Namibia ein und betreten nach einem recht unruhigen Nachtflug mit spannenden Gewittern über dem Äquator nur eine Nacht später den deutschen Boden auf dem Frankfurter Flughafen. Elf Monate nach unserer Abfahrt haben wir für den Rückweg jetzt nur elf Stunden gebraucht – das ging eigentlich viel zu schnell, aber für eine Heimreise mit dem LKW reichte die Zeit definitiv nicht. Ein großes Begrüßungskomitee aus Opa, Tante und Onkel, Cousin und Cousine sowie Leas bester Freundin holt uns ab, und bei Regen (na klar doch!!) rollen wir die letzten 250 km über eine ungewohnt volle Autobahn nach Hause. Dort wartet Oma mit einem tollen Mittagessen, und irgendwie fühlt es sich an als seien wir gar nicht weg gewesen! Es ist sehr unwirklich – gerade lagen wir noch im trockenen Namibia im Dachzelt, und jetzt hat jeder wieder ein riesiges eigenes Bett und allen Komfort im Überfluss! Diese widersprüchlichen Gefühle werden uns die nächsten Wochen noch beschäftigen!

Zwei große tolle Willkommensschilder willkommenschmücken unser Haus, in den nächsten zwei Tagen haben wir noch drei Cousins und Cousinen bei uns, zahlreiche Freunde gehen ein und aus und Jochen werkelt in der Scheune an den Autos, diIMG_20170630_070758606e vor dem Anmelden noch durch den TÜV müssen und etwas unter der Standzeit gelitten haben – Freunde, die vorbeikommen, kommentieren spontan: „Es ist eigentlich wie immer bei den Vossebergs!“

Nun sind so viele bürokratische Dinge zu erledigen, dass wir fast schon wieder im alten Trott sind – wir nehmen uns aber vor, das Leben etwas entspannter anzugehen und es mit mehr afrikanischer Gelassenheit zu versuchen!

Jetzt sind schon gut zwei Wochen vergangen, man hat Zeit sich zu sortieren, wir haben unzählige Male die Frage „Und, wie war es? Welches Land war das beste?“ gehört, können aber keine umfassende Antwort darauf geben. Irgendwann – sicherlich eher im Winter – wird es eine Fotoshow geben – nur Geduld! Den letzten Tagebuchteil gibt es aber jetzt schon:

Reisetagebuch Namibia II

2. Halbzeit im Etosha

Nachdem wir den Etosha-Nationalpark imIMG_20170621_074046980_HDR Februar untypisch grün erlebt haben, wollen wir im trockenen namibischen Winter einen zweiten Anlauf starten und die typische grau-gelbe Landschaft sehen. Mit einem geliehenen Toyota Hilux und zwei Dachzelten (denn Grüdi sollte eigentlich schon im Hafen in Walvis Bay stehen – eine Planung, die für Afrika mal wieder zu exakt war und so nach hinten losgegangen ist…) geht es von DSC08215Windhuk in Richtung Norden. Erster Stopp ist am Waterberg-Plateau, wo wir in einem sehr idyllisch gelegenen Camp mitten im Busch erfahren, dass sich Schlafen im Dachzelt mit fünf Personen (Ruben schläft auf der Rückbank) anfühlt, als wäre die ganze Nacht Erdbeben. Jedes Mal, wenn sich jemand im Schlaf umdreht, wackelt das ganze Auto – und einer bewegt sich immer! DSC08219DSC08230

Am nächsten Morgen starten wir eine kleine Wanderung zum Aussichtspunkt und erfahren auf dem Historical Path viele Details rund um die Schlacht am Waterberg, die hier 1905 stattgefunden hat und in deren Folge die Herero zu Tausenden in die Kalahari gezogen sind und dort verdursteten.

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Am Nachmittag erreichen wir zum zweiten Mal während unserer Reise den Etosha-Nationalpark und checken im Camp Namutoni ein. Da es in diesem Jahr – wie wir am eigenen Leib erfahren haben –  viel Regen gegeben hat, ist die Landschaft nicht so verdörrt wie in den Vorjahren, aber der Unterschied ist doch deutlich sichtbar:

Das Wasserloch Twee Palms im Februar 2017…

IMG_7918… und im Juni desselben Jahres!

DSCI0012Dieses Mal haben wir zwei Nächte in den Camps Namutoni und Okaukuejo gebucht. Wir sind mit dem Toyota natürlich viel schneller unterwegs als mit Grüdi und fahren auch die kleineren Loops. Endlich sehen wir Giraffen beim Trinken…DSC08255und Helmperlhühner, die nicht direkt flüchten.

DSC08259Hannah bekommt ihr Zebraportrait…DSC08271,der Rest der Herde zeigt uns allerdings mal wieder die Kehrseite.

DSC08293Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir noch den Etosha-Lookout und können die unvorstellbare Weite der Salzpfanne bestaunen.DSCI0038 Im Camp Okaukuejo geht es dann zum Sonnenuntergang ans beleuchtete Wasserloch.

DSC08319Hier sehen wir endlich ein Spitzmaulnashorn aus der Nähe, außerdem kommen noch zwei Löwen und ein Elefant zum Trinken vorbei.

DSC08352Am nächsten Morgen halten wir uns lange am Wasserloch auf. Große Tierherden kommen zum Trinken – es scheint, als gebe es einen geheimen Plan, wann welche Herde erscheinen darf! Gruppen von Zebras wechseln sich mit Gnus ab, dann sind die Impalas und Springböcke an der Reihe, bevor wieder die nächste Zebrafamilie auf der Matte steht.

DSC08438 DSC08519 DSC08386Zwischendurch bewundert sich ein Oryx im Spiegel – es ist toll!

Nach zwei Tagen im Park nehmen wiDSC08542r Abschied und treffen uns noch mit Bjorn, den wir ja in Ägypten und dem Sudan als Reisegefährten hatten. Dann geht es zurück nach Windhuk, wo wir mal wieder die fantastische Gastfreundschaft von Beate, Robert und Chiara genießen dürfen. Von hier bringen wir Grüdi endlich zur Verschiffung nach Walvis Bay und genießen einen letzten herrlichen Sonnenuntergang am Atlantik. IMG_20170625_171614902Bei dieser Gelegenheit kommt auch Maries Flaschenpost endlich ins Meer – ob sie wohl vor uns zu Hause ankommt???IMG_20170625_171252271

Köcherbäume und Kalahari 2.0

Es ist unglaublich: wir IMG_20170611_101644155haben die Grenze nach Namibia gequert, und die graue, dicke Wolkenwand bleibt wie eine Festung direkt über dem Grenzfluss Oranje stehen! Von jetzt an rollen wir durch das weite, trockene Namibia und erleben es in Braun- und Gelbtönen, darüber wölbt sich der strahlend blaue Himmel – es ist ein ziemlicher Unterschied zu dem Südafrika, das wir in den letzten Wochen erlebten.

DSC08142Östlich von Keetmanshoop erreichen wir das Mesosaurus Camp, das auf einem Farmgelände mitten im Köcherbaumwald liegt. Hier stehen über 5000 der wunderschön geformten Bäume, und da diese im Juni blühen, sieht das Ganze noch viel netter aus.

DSC08147 IMG_0064Überall in der Landschaft liegen zudem Wollsack-Granitfelsen, die teilweise absurd übereinander gestapelt sind – es sieht aus, als hätten Riesen mit Bauklötzen gespielt, so dass es eine Attraktion namens „Giant Playground“ gibt. Wir beziehen unser Bushcamp, das weit draußen im Farmgelände liegt, und klettern bei Sonnenuntergang zwischen den Felsen herum.  Die tollen Motive und das Licht animieren uns zu einer Vielzahl an Fotos – hier mal eine kleine Auswahl:DSC08193DSC08194IMG_0069DSCI0058IMG_0073Direkt neben uns steht ein großer Kameldornbaum, in dem sich mal wieder ein riesiges Webervogelnest befindet. Die Kinder sammeln die Früchte, brechen sie auf und servieren den Vögeln daraus Abendbrot und Frühstück. Wir entfachen ein Feuerchen, heizen außerdem den Warmwasser-Donkey an und genießen den tollen Sternenhimmel.

IMG_0080 DSCI0074Am nächsten Tag geht es weiter in IMG_0084Richtung Norden, wir wollen ein zweites Mal versuchen, in die roten Kalaharidünen zu kommen – dieses Mal in der Trockenzeit. Es geht wieder durch Riviere, und sobald uns ein Auto begegnet, reduziert sich die Sicht auf Null.

Es ist wirklich ein großer Unterschied zum ersten Mal, als die Kalahari unter Wasser stand, auch wenn ein Großteil der Flächen noch mit gelbem Gras bedeckt ist. IMG_20170612_170038170Etwas neben der Straße,  ohne den sonst unvermeidlichen Zaun der Farmen, finden wir einen tollen Platz für ein Bushcamp. Leider endet der Versuch, diese versteckt liegende Stelle zu erreichen, schon nach zehn Metern damit, dass wir im puderweichen Sand versinken und uns festfahren – das hatten wir schon schon mal?!  Da es aber dunkel wird, lässt Jochen nur noch die Luft aus den Reifen, Judith kocht Abendbrot und wir beschließen, an Ort und Stelle zu schlafen. Es wird eine sehr ruhige Nacht, nur zwei Autos passieren die Sandpiste, von der wir uns ja nicht weit entfernen konnten. Am nächsten Morgen nutzen wir die Morgenkühle, in der der Sand viel kompakter ist, und können uns ohne Einsatz von Sandblechen wieder freifahren. Nach über einer Stunde ist dann auch der Reifendruck wieder auf Normalniveau, wir können weiter!

Der Pad führt über unzählige rote Dünenkämme, immer wieder sehen wir Springböcke, Düker und Oryxantilopen, dafür aber keine Menschen – Namibia ist halt viel dünner besiedelt als Südafrika, und das gefällt uns sehr gut!IMG_0088 IMG_0093Soviel steht fest: irgendwann werden wir wiederkommen, aber Kalahari 3.0 wird mit einem kleineren Auto stattfinden…

Abschied von Südafrika

Da Regen und Sturm die Westküste Südafrikas fest im Griff haben, beschließen wir, soweit nach Norden zu fahren bis das schlechte Wetter endlich aufhört. So erreichen wir am Samstag abend schon die Grenze nach Namibia. Wir hoffen, ab morgen wieder im Sonnenschein und bei angenehmen Temperaturen unterwegs zu sein!

Hier gibt es schon mal das Reisetagebuch der letzten zwei Monate:

Reisetagebuch Südafrika, Lesotho, Swasiland

und dazu noch die Bildergalerie.

Kapstadt im Sturm

Seit Tagen warnt der Wetterdienst vor dem ersten Wintersturm mit viel Regen, der Kapstadt in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichen soll – war irgendwie klar, denn den Regen haben wir im südlichen Afrika ja schon in einige Regionen mitgebracht… Also sputen wir uns, damit wir die Stadt und vor allem den Tafelberg noch vor dem schlechten Wetter erreichen. DSC08072Früh am Dienstag stehen wir am Fuß des Berges, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, ein laues Lüftchen weht – perfekte Bedingungen für die Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg! Denken wir zumindest, aber „The cable way is due to weather conditions closed“ – das lesen wir an der Talstation. So ein Mist! Wir informieren uns über die Fußwege aufDSC08116 den Berg, können leider auf die Proteste einiger Minderjähriger keine Rücksicht nehmen und machen uns zu Fuß über den Plattekliffkloop auf den Weg. Es geht mächtig steil nach oben – auf 1000m Luftliniendistanz sind über 600 Höhenmeter DSC08080zu bewältigen, das geht ganz schön in die Beine! Aber nach gut eineinhalb Stunden ist es geschafft, wir haben das Plateau erreicht und merken jetzt auch, warum die Bahn geschlossen ist: hier oben pfeift es ordentlich! Wir genießen bei immer noch klarem Himmel die Sicht über die Tafelbergbucht, amüsieren uns über die kleinen Klippschiefern, die uns DSC08102unser Picknick streitig machen wollen, und freuen uns, den Berg mit wenigen anderen Wanderern fast für uns alleine zu haben – es hat auch Vorteile, wenn der bequeme Weg dicht ist!

DCIM100MEDIA

DSC08090Bergab geht es etwas angenehmer, aber da der Weg sehr steinig und mit einigen Kletterpartien verbunden ist, sind wir nicht viel schneller. Wieder unten angekommen, sind alle stolz und froh, dass die Eltern sich (ausnahmsweise) mal durchgesetzt haben. Weiter geht es per Grüdi auf den Signal Hill, der zwischen Tafelberg und Meer liegt und von dem man eine tolle Sicht auf den Berg hat. Hier allerdings weigern sich Lea und Marie, noch einen Schritt zu tun – ihr Akku ist fürs Erste alle.

DSC08133Auch das Cape Town Stadium, erbaut zur WM 2010 hat man von hier toll im Blick – es wird nur leider kaum mehr genutzt und von den Südafrikanern als nutzloser „White Elefant“ bezeichnet.

DSC08134Nun geht es zum nächsten Wahrzeichen Kapstadt, der Waterfront. Anfang der 1990er umgestaltet, ist das ehemalige heruntergekommene Werftviertel heute ein großes Einkaufs- und Unterhaltungsviertel. Wir können direkt an der Mole auf dem Busparkplatz parken und gönnen uns – da wir ja viel Geld für die Seilbahn gespart haben – ein ordentliches Abendessen in einem der vielen Restaurants.DSC08135 IMG_20170606_172515107 IMG_20170606_172915085Vollgefuttert verkriechen wir uns in die Betten, denn der Tag war anstrengend genug. Lange dauert die Ruhe allerdings nicht, denn pünktlich im 21:00 Uhr ist – wie angekündigt – der Sturm mit Regen da, und als mitten in der Nacht die Wellen so heftig werden, dass Meerwasser durch das geschlossene Fenster über Rubens Bett drückt, müssen wir uns einen neuen Stellplatz suchen. In den frühen Morgenstunden wird es noch stürmischer, und wir müssen noch einmal umziehen – eine sehr unruhige Nacht!DSCI0031

Am nächsten Morgen tobt der Sturm unvermindert weiter, so dass wir nicht auf den Busparkplatz zurückkehren, sondern uns auf den PKW-Parkplatz quetschen. Dann flanieren wir durch die Waterfront, nutzen die sonnigen Momente für die Außenanlagen mit viktorianischen Gebäuden wie dem Clock Tower und sehen immerhin die Robben Island Jetty mit kleiner Ausstellung – das Boot zur Insel fällt heute wohl aus…DSCI0032

DSCI0033DSCI0034Als wir zurückkommen, staunen wir  nicht schlecht: „unser“ Stellplatz steht unter Wasser, IMG_20170607_145934633überall wurden dicke Steine aus dem Meer auf den Asphalt gespült, und die Wellen brechen hoch über die Mole. Gut, dass wir da nicht wieder geparkt haben!!! Da der Sturm nicht nachzulassen scheint, drehen wir nur noch eine kurze Runde durch die Innenstadt und fahren dann weiter ins Inland.

Momentaufnahme 1 (08.06.2017 18-25)Später erfahren wir, dass alle öffentlichen Einrichtungen und Schulen heute geschlossen blieben und die Bevölkerung aufgefordert wurde, zu Hause zu bleiben – es war der schwerste Sturm seit 30 Jahren, er hat mindestens acht Menschenleben gefordert und viele Gebäude – vor allem in den Armenvierteln – zerstört.

Von Kap zu Kap an der Walküste

Mit dem Goudamma Nationalpark, der die Klimascheide zwischen Sommer- und Winterregengebiet darstellt, erreichen wir die extrem trockenen, gelbbrauen Ausläufer der kleinen Karoo in der Provinz Western Cape. Begleitet von Sandstürmen, vor dem Hintergrund eines immer dunkler werdenden Himmels, kommen wir nach einem langen Fahrtag dann am Kap Agulhas an. Es ist unser 314. Reisetag, an dem wir den südlichsten Punkt Afrikas erreichen – ohne andere Touristen, bei heftigem Wind und frischen Temperaturen!

DSC07898 DSC07913Anders als häufig angenommen ist hier die „offizielle“ Grenze zwischen atlantischem und indischem Ozean und eben auch der südlichste Punkt des afrikanischen Festlandes. Ein Holzsteg führt uns die letzten Meter bis zur gemauerten Gedenktafel, wo wir die letzten Reste des Geburtstagskuchens vom Vortag verspeisen und dann zügig wieder abfahren – es ist nämlich mächtig frisch!

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IMG_9885 Nach einer sehr stürmischen, regnerischen Nacht auf dem verwaisten städtischen IMG_9908Campingplatz geht es am  nächsten Tag weiter fast durchgehend an der Walküste entlang. Wie der Name schon sagt, kommen hier die Wale zum Kalben und zur Aufzucht der Jungen hin – normalerweise in den Monaten Juni bis Oktober. Über Gansbaai und die Walker Bay, in der viele weiße Haie zu Hause sind, erreichen wir Hermanus, die Walhauptstadt – ein wurnderschönes Städchen mit unzähligen Ferienhäusern, DSC07924dementsprechendem touristischen Angebot und dem zwölf Kilometer langen Cliff Walk, von dem aus man Wale gut beobachten können soll. Leider scheinen heute die Wale noch in der Antarktis zu sein, wir bekommen sie jedenfalls nicht zu Gesicht. So gehen wir Fish ´n Chips essen und genießen einfach nur das tolle Panorama am Cliff Walk.

DSC07922 DSC07916Weiter geht es auf der wunderschönen Küstenstraße, wo sich ein Ferienort an den nächsten reiht. Links liegt der Atlantik, rechts die grünen Berge der Hottentoten Mountain Area, darüber strahlt die Sonne vom blauen Himmel – es ist fantastisch!

IMG_9918 IMG_9927IIMG_9926mmer wieder stoppen wir in den unzähligen Parkbuchten und halten Ausschau nach Walen – leider sehen wir nur einmal zwei Tiere, sind uns aber nicht sicher, ob es Wale oder Delfine sind. Wir haben schon die False Bay östlich von Kapstadt erreicht und kommen im Spätnachmittag in Gordons Bay an, wo wir (mal wieder) ein Übernachtungsangebot haben, das wir von einem hier lebenden Belgier den wir in Namibia trafen,  bekommen haben. Nach einem tollen Sonnenuntergang vor der Kulisse des Kaps der Guten Hoffnung (inklusiver spontaner Picknickeinladung von zwei Südafriknern) übernachten wir oberhalb der Stadt vor Pauls Grundstück.

DSC07937 DSC07948Am nächstenTag folgen wir der Küstenstraße und erleben hier auch mal wieder die traurige Realität vieler Farbiger und Schwarzer in Südafrika: einfachste Townships (ehrlicher als Slums zu bezeichnen), in denen Zehntausende leben – und wenige Kilometer weiter wieder noble Häuser, alle ordentlich eingezäunt. Diese Kontraste erschrecken uns immer wieder!

IMG_9967Vorbei an netten Bauten aus der britischen KolonialzeitDSC07953 führt die Straße auf die Kaphalbinsel, immer entlang der Küste und der direkt daneben laufenden Eisenbahnstrecke. Hinter Simons Town erreichen wir den Boulder Beach, an dem sich Mitte der 1980er Jahre ein Pinguinpärchen niedergelassen hat, woraus sich eine über 2000 Tiere zählende Kolonie entwickelt hat. Man kann die Tiere über lange Holzstege beobachten und an einem Strandabschnitt mit etwas Glück sogar ohne Zäune zwischen ihnen umher spazieren. Hier ist allerdings – bedingt durch die Nähe zu Kapstadt – wieder Massentourismus angesagt, wir treffen auf viele Inder und Japaner sowie Deutsche – das sind wir aus den vergangenen Monaten gar nicht mehr gewohnt!

DSC07993 DSC08005 DSC08014Von der Küstenstraße bieten sich wieder einmal tolle Ausblicke über die False Bay – jetzt sehen wir im Dunst in der Ferne die Hottentotten-Berge, an denen wir gestern entlang gefahren sind.

IMG_9975Passend zum Mittagessen erreichen wir dann das Ziel vieler Transafrika-Touren: das Kap der Guten Hoffnung im Table Mountain Nationalpark! Es ist voll, ein Reisebus nach dem anderen rollt heran, spuckt Touristen aus, alle lassen sich schnell vor dem Holzschild fotografieren und müssen zügig wieder zurück in den Bus, das Programm ist eng gesteckt! Wir können uns glücklicherweise mehr Zeit lassen, kochen erst einmal Spaghetti Bolognese und beantworten zwischendurch unzählige Fragen über unsere Reise, während Grüdi, den wir direkt neben dem Schild parken konnten, ständig abgelichtet wird – er reist jetzt digital mit nach Japan und Indien…

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Natürlich lassen auch wir uns mit dem Schild ablichten – jetzt haben wir nach dem südlichsten auch den südwestlichsten Punkt Afrikas erreicht!

DSC08063Zum Abschluss des Kap-Besuchs steigen wir noch zum Leuchtturm hinauf, der Ende des 19. Jahrhunderts hoch über dem Kap erbaut wurde, seinen Zweck aber nur selten erfüllen konnte, da er an vielen Tagen in den Wolken oder im Nebel hing…

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Von oben hat man einen tollen Blick auf des Cape Hope und erkennt deutlich die tückischen Felsen und Strömungen, die schon so vielen Schiffen und ihren Besatzungen zum Verhängnis wurden.

IMG_0018Auf dem Rückweg von der Kap-Halbinsel geraten wir im Sonnenentergang noch in aufsteigenden Küstennebel, der die Fahrt auf der engen Küstenstraße fast unwirklich und etwas abenteuerlich wirken lässt.

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