Entlang der Garden Route

Nach den erholsamen Strandtagen geht es von Jeffreys DSCI0104Bay in Richtung Westen. Bevor wir auf die bekannte Garden Route treffen, machen wir noch einen Abstecher auf die Dairy-Farmen von Pierre und Ronelda, die wir am Addo Elefant-Park kennen gelernt haben. Sie betreiben mit ihren zwei Söhnen mehrere milchproduzierende Betriebe in der Region rund um Port Elizabeth sowie in Swasiland – DSCI0100dort ist eine der modernsten Westfalia Separator-Anlagen Afrikas installiert, und sie erwarten Mitte Juni den Besuch des Swasi-Königs! Wir werden aber erst einmal herzlich zum Braai mit Pierre und Ronelda sowie den zwei Managern samt Familie auf der Carmel-Farm DSCI0096empfangen und verbringen einen lustigen Abend. Ruben und Marie dürfen sogar zwischendurch noch einen kurzen Kontrollbesuch beim frisch geborenen Kälbchen machen! Am nächsten Morgen bekommen wir noch eine kleine Rundfahrt über die Farm, sehen die Melkanlagen, den Tierarzt im Einsatz und bewundern einige der 240 Kälbchen. Diese Farm umfasst 500 Hektar, die Fläche reicht für knapp 1500 Milchkühe. Dringend erwartet wird Regen – DSCI0112damit alle Flächen herrlich grün aussehen, muss durchgehend bewässert werden, und die Dämme sind leer.  Kurz vor Weihnachten wütete noch ein schlimmes Buschfeuer, das knapp vor den Farmgebäuden gestoppt werden konnte. Da hilft auch die Nähe zum indischen Ozean nicht…DSCI0109Danach geht es weiter auf die Garden Route, Südafrikas berühmteste Touristenstrecke – mit einem Garten hat sie eigentlich nicht viel zu tun, ist aber mit 1200 mm Niederschlag pro Jahr sehr grün und voller Urwälder. In der Hauptsaison rund um Weihnachten, also in den südafrikanischen Sommerferien, trifft sich hier DSC07754halb Johannesburg, jetzt ist es allerdings sehr ruhig und beschaulich – nur deutsche und japanische Touristen lauern überall… Einige Brücken, wie hier im Bild die Storms River Bridge, überspannen tiefe Schluchten – gerne werden sie auch zum Bungee-Jumping genutzt, was Hannah auch machen möchte – leider verhindert das Veto der Erziehungsberechtigten den Sprung in die Tiefe. DSC07772Wenige Kilometer hinter der Brücke lockt der Big Tree, ein mitten im Urwald stehender Yellowwoodbaum, der 36 Meter in die Höhe ragt und über 30 Meter Kronendurchmesser hat. Er sieht allerdings reichlich morsch aus, so dass wir uns nicht zu lange darunter aufhalten wollen.

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Stattdessen fahren wir zur Mündung des Storms River, die in der Tsitsikamma-Section des Garden Route Nationalparkes liegt. Direkt am Meer liegt das Parkcamp, auf dem wir einen teuren, aber fantastischen Stellplatz  buchen. Die Brandung ist enorm, mit voller Wucht rollen die Wellen auf die Felsenküste, so dass die Gischt extrem hoch spritzt. DSC07799DSC07807Überall liegt ein feiner Dunst in der Luft, so dass der Blick entlang der Küste sehr abenteuerlich wirkt.

DSCI0120Wir machen uns auf den Weg zur Mündung des Storms River, die man in knapp zwei Kilometern Entfernung zum Camp erreicht.

DSC07818DSC07827Über Stege, immer am Berghang entlang, gelangen wir zum Abstieg zu den Hängebrücken. Der Storms River wird von DSC07832einer großen Brücke überquert, über die wir zu einer kleinen Kiesbucht gelangen. Nachdem sich dort alle in Form eines Steinmännchens verewigt haben geht es zurück zum Camp, wo Relaxen angesagt ist.

DSC07842 DSC07848Am nächsten Morgen steigen wir noch zum Aussichtspunkt auf, DSCI0162DSCI0170bevor wir ein Flusstal weiter ins Nature Valley ziehen. Dort geht es bedeutend ruhiger zu, das Camp liegt an einem Fluss, der erst hinter einer großen Sandbank ins Meer mündet. Wir können zwei Kanus leihen und paddeln ein wenig durch die wunderschöne Gegend. Da wir die einzigen Gäste des Camps sind, verbringen wir eine herrlich ruhige Nacht.

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Am nächsten Tag geht es nach dem DSC07854Geburtstagsfrühstück für Lea und Jochen weiter entlang der Küste, um westlich von Pletternberg Bay ins Robberg Nature Reserve zu gelangen. Das Reservat besteht aus einer Landzunge, die einige Kilometer ins Meer ragt und nur von Seehunden, Dükern und Vögeln bewohnt wird. Man kann zwischen drei Wanderwegen wählen und wir entscheiden uns für den längsten, der in gut neun Kilometern rund um die Halbinsel führt und einige Kletterkünste sowie etwas Kondition erfordert. Glücklicherweise sind die gefährlichsten Stellen etwas entschärft – es geht stellenweise ganz schön steil hinab…

DSC07862Wir haben richtig Glück und bekommen nach einigen Kilometern eine kleine Gruppe Wale zu Gesicht (unser Tierexperte Ruben behauptet, dass es sich um südafrikanische Glattwale handelt, wir können das nicht verifizieren…).

DSC07870Am „Point“, der äußersten Stelle der Landzunge, gibt es ein Picknick, bevor wir über glitschige Felsen und an steilen Abhängen entlang zurück wandern – die Strecke ist mit kleineren Kindern wirklich nicht zu empfehlen…DSC07879IMG_20170602_133527045 Zum Abschluss gibt es noch Geburtstagskuchen auf einer kleinen vorgelagerten Insel, bevor eine  letzter fantastischer Blick auf eben diese Insel den Tag abrundet. Zurück am Grüdi geht es in ein Waldcamp, wo  – wir sind halt in Südafrika – das wohlverdiente „Braai“ mit Rinderfilet wartet…

DSC07894Nach so viel Bewegung tut ein Fahrtag gut, und wir rollen über Knysna und Mossel Bay, zwei größere und recht touristische Küstenstädte, dem Ende der Garden Route zu. Zum Abschluss gibt es noch einen netten Blick auf Wilderness, bevor wir uns von der Küste vorerst verabschieden und durch die extrem trockenen, dürregeplagten Regionen der kleinen Karoo rollen werden.

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Strandtage

Vom Hluhluwe-Infolozi Nationalpark erreichen wir Tugela Mouth, eine kleine Siedlung mit wenigen Ferienhäusern, die vor allem von Angelfreunden besucht wird. Auf einem direkt hinter den Dünen liegenden Camp bleiben wir für zwei Nächte, unternehmen Strandspaziergänge und haben erste Wasserkontakte – Schwimmen ist wegen der fehlenden Hainetze allerdings nicht zu empfehlen. Anschließend geht es in die UShaka-Marineworld in Durban, einem kombinierten Wassererlebnispark mit toll hergerichtetem Aquarium, Delphin- und Seelöwenshow sowie einem Wasserrutschenpark, in dem unter anderem die höchste Rutsche Südafrikas steht.

Entlang der South Coast südlich von Durban geht es weiter zur Hibiscus Coast, wo wir in St. Micheals on Sea eine tolle Surfbucht finden. Hier können wir erstmals die Neoprenanzüge und Surf- sowie Bodyboards vom Dach holen und ungefährdet in die Wellen springen. Wir sind zwar in den Subtropen, aber das Wasser ist trotzdem ganz schön kalt! Während Lea, Ruben und Marie mit den Bodyboards vorlieb nehmen, kann Hannah endlich ihre heiß ersehnten ersten Surfversuche unternehmen.DSC07414DSC07404 DSC07462Glücllicherweise sind die Wellen in der geschützten Bucht nicht so hoch, so dass sie nach kurzer Zeit schon Erfolg hat und im Weißwasser immerhin steht!DSC07438Von hier geht es im Hinterland über 700 km parallel zur Wild Coast, die – wie der Name schon vermuten lässt, recht unzugänglich und nicht erschlossen ist – in Richtung Südwesten, bevor wir in Port Alfred wieder den Indischen Ozean erreichen. Mit der Sunshine-Coast beginnt hier der touristischere Teil der Küste, wir erwischen allerdings einen sehr stürmischen Tag mit hohen Wellen – richtiges Bretagnefeeling!

DSC07586 DSC07603 DSC07616Es ist Südwinter, Ende Mai sind die Ferienort wie ausgestorben und die Strände leer – das gefällt uns richtig gut! Etwas südlich der Stadt können wir in Boknes, einer fast völlig verwaisten kleinen Siedlung, direkt am Strand campen – ohne Sicherheitspersonal oder Elektrozäune! Wir lernen Leona, eine verwitwete ältere Dame, kennen, die uns spontan einlädt, ihr Badezimmer zu benutzen und uns am nächsten Morgen ein Frühstück mit selbstgebackenen kleinen Brötchen serviert – die südafrikanische Gastfreundschaft ist wieder einmal umwerfend!

Von hier machen wir einen kleinen Abstecher in den Addo-Elefant-Park, der aber (mal wieder!) reichlich Regen für uns bereithält und somit etwas enttäuschend ist. Außerdem sind alle Camps ausgebucht, so dass wir uns nachmittags einen Stellplatz außerhalb suchen müssen. Hier treffen wir auf Pierre und Ronelda, ein südafrikanisches Farmerpaar, die auch mit einem Allrad-LKW unterwegs sind – da ist das Gesprächsthema natürlich klar… Nach einem interessanten Abend laden die beiden uns ein, sie auf ihrer Milchviehfarm zu besuchen.

IMG_9839Aber erst einmal geht es wieder ans Meer – die Surfermetropole Jeffreys Bay lockt vor allem Hannah! Nach tollen Ausblicken auf die Wellenreiter in den Supertubes buchen wir für Hannah und Lea einen Schnupperkurs und checken auf dem örtlichen Campingplatz ein – dieses Mal wirklich direkt am Strand und nicht durch einen Zaun gesichert – eine Premiere für uns in Südafrika!

Ruben und Marie spielen stundenlang am Strand, bauen große Gebäude aus Sand und Steinen und machen kleine Feuerchen.

IMG_9848Am nächsten Morgen geht es dann los mit dem Surfen – leider bei grauem Himmel und viel Wind, was nach einer Stunde zu extrem durchgefrorenen Kindern mit Eisfüßen führt – aber beide hatten Erfolg und vor allem viel Spaß!

Nach ersten theoretischen Erklärungen am Strand…

DSC07699… und Trockenübungen…

DSC07711 DSC07712klappt es dann auch im Wasser ganz gut!

DSC07747Am darauffolgenden Tag strahlt die Sonne dann wieder und die beiden können ihre zweite Stunde nachholen, was sie auch mit Begeisterung machen!

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Unterwegs im Zululand

Nahe der Grenze zu Mosambik fahren wir vom Kruger Nationalpark weiter nach Swasiland. Leider holt uns der heftige Regen, IMG_20170514_090144476-001der uns am letzten Tag im Park erwischte, auch hier ein, so dass wir das kleine Land nur im Dauerregen passieren – zumal wir im Hlane Nationalpark mit Grüdis Dimensionen nicht fahren dürfen. Einzig erwähnenswert sind die riesigen königlichen Zuckerrohr- und Bananenplantagen, die sich beiderseits der Straße erstrecken.

DSCI0083So kommen wir zügig nach Piet Retief, wohin wir von einigen südafrikanischen Familien im Pilanesberg-Park eingeladen wurden. Wir dürfen bei André und Monique auf der Farm stehen und bekommen dort sogar ein ganzes Haus für uns allein! Der Farmbetrieb besteht aus Forstwirtschaft und Rinderhaltung und umfasst knapp 6000 Hektar – in Deutschland unvorstellbar! Wir werden hervorragend bewirtet und genießen die Gastfreundschaft. Die KinderDSCI0081 spielen mit Joshua und Jade, Jochen kann mit Andrés Hilfe die Stoßdämpfer endlich richtig reparieren und alle freuen sich über etwas Ruhe nach den anstrengenden Tagen im Krugerpark. Nachdem wir in den letzten Wochen im Gespräch mit weißen Südafrikanern ja häufig ein sehr negatives Bild erhalten haben,  erleben wir hier endlich mal einen anderen Blickwinkel auf das multikulturelle Zusammenleben. Andrè und Monique sind überzeugt davon, dass ein Großteil der Bevölkerung von der Idee der Regenbogennation überzeugt ist, es aber noch ein langer Weg ist, da die Unterschiede in den Kulturen akzeptiert und toleriert werden müssen. Ihrer Ansicht nach gibt es auf beiden Seiten einige wenige Rassisten, die aber für viel Unruhe sorgen. Für uns ist es sehr beruhigend, diesen Blickwinkel zu erfahren.

Wie das Zusammenleben im Alltag konkret aussieht, erfahren Judith, Lea, Ruben und Marie, als sie einen Tag in der evangelischen Schule, in der Monique als stellvertretende Schulleiterin arbeitet, miterleben dürfen. Die drei Kinder werden festen Klassen zugeordnet und sie dürfen einen kompletten Schultag bestreiten. DSCI0068Neben kleinen Unterschieden wie z.B. dem morgendlichen Aufstellen mit Nationalhymne und dem Tragen einer Schuluniform, stellen wir alle fest, dass es sonst viele Gemeinsamkeiten gibt – auch hier muss gelernt werden, und auch hier sind nicht immer alle brav… Mit maximal 20 Kindern pro Klasse sind die Lerngruppen allerdings wesentlich kleiner als bei uns – was allerdings daran liegt, dass es eine DSCI0076private Schule ist, in den staatlichen Bildungsanstalten sitzen oft bis zu 80 Kinder in einer Klasse. Ebenso ist die Ausstattung der Schule sehr gut – mit Kreidestaub muss hier niemand mehr kämpfen, jede Klasse hat fest installierte Beamer und interaktive Whiteboards. Die drei genießen den englischsprachigen Schultag in vollen Zügen und würden gerne länger hier die Schule besuchen! Am Abend erleben wir alle noch die Premiere des Musicals „Das Dschungelbuch“, das die gesamten Schulgemeinde aufführt und fühlen uns sehr wohl!

Bevor wir am nächsten Tag weiterziehen, IMG_20170518_101623190fährt André mit uns noch in ein Zulu-Village, das auf seinem Farmgelände steht. Dort lebt der ehemalige und jetzt pensionierte Manager der Farm, Simon, mit seinen fünf Frauen und 28 Kindern. Das Dorf besteht aus einigen Rundhütten, die aber nur  noch als Versammlungsräume genutzt werden, und herkömmlichen einfachen Steinhäusern, von denen jede der fünf Frauen eins bewohnt und aus IMG_20170518_101923383denen Simon sich seine abendliche Schlafstätte aussuchen kann. Die Verhältnisse sind extrem einfach, fließendes Wasser gibt es erst seit einem Jahr, einen Elektrizitätsanschluss gar nicht. Maismehl, die Grundzutat für den täglichen Papp (einen Brei, den es eigentlich zu jeder Mahlzeit gibt), wird selbst erzeugt, Hühner, Kühe, Schweine, Ziegen und Enten sorgen für die IMG_20170518_102202499Fleischversorgung und Gemüse wird ebenfalls angebaut. Die meisten Bewohner des Dorfes arbeiten auf der Farm, und André pflegt einen sehr guten Kontakt zu Simon, um die kulturellen Unterschiede verstehen und bei Problemen zwischen seinen Mitarbeitern helfen zu können. IMG_20170518_102105635_HDR IMG_20170518_102944853_HDR

Das alles erinnert uns extrem an das einfache Leben der Menschen in Albanien, und wir finden es schon sehr erstaunlich, derart unterschiedliche Lebensbedingungen so nah beieinander vorzufinden. Offensichtlich können aber beide Seiten gut damit leben.

IMG_9816Weiter geht es nach Kwazulu Natal, in die Provinz Südafrikas in der die meisten Zulu leben. Hier besuchen wir den Hluhluwe-Infolozi-Nationalpark, der extrem tierreich sein soll. Als wir am nächsten Morgen in der Frühe um sechs am Gate stehen, ist es allerdings vor allem neblig und kalt. Von Tieren keine Spur! Erst als wir  einige Höhenmeter gemacht haben, können wir die herrliche Aussicht über die trüben Talmulden  genießen!

IMG_9823Bis auf ein paar Elefanten in weiter Ferne und wenige Huftiere bekommen wir aber kaum Wild zu Gesicht – der heftige Regen der vergangenen Tage hat wohl alle Vierbeiner ins Unterholz getrieben. Kurz bevor wir den Parkausgang erreichenDSC07380 kreuzt wenigstens noch eine Gruppe Breitmaulnashörner unseren Weg und entschädigt etwas für das viel zu frühe Aufstehen.

Besuch im Kruger NP

 – das gehört natürlich zu einer Südafrikareise dazu! Wir können uns dank der Wildcard richtig Zeit für einen der größten Nationalparks Afrikas nehmen und haben glücklicherweise für vier Nächte Unterkünfte vorgebucht – der Mai ist hier nämlich Rentnerzeit, alle Südafrikaner über 60 zahlen 40% weniger für die Camps, so dass die meisten Unterkünfte ausgebucht sind. Leider sind Ermäßigungen für Kinder oder gar Familien hier nicht vorgesehen, so dass wir auch für Hannah und Lea schon Erwachsenenpreise zahlen müssen – das ärgert uns im südlichen Afrika manchmal ganz schön.

Wir wollen den knapp 400 km langen Park von Nord nach Süd durchqueren und starten unsere Tour im vermeintlich wildarmen Norden. Es ist – wie so oft auf unserer Reise – erstaunlich grün, dichtes Buschland erstreckt sich zu beiden Seiten der Asphaltstraßen. Offiziel dürfen wir die Schotterwege mit unserem Schwergewicht Grüdi nicht befahren, aber selbst die Ranger grüßen uns freundlich, wenn wir ihnen hier begegnen. Vor allem ganz im Norden, entlang des Flusses Luvuvhu, fühlen wir uns fast wie im Dschungel, quetschen uns zwischen hohen Bäumen durch und sehen immer wieder den Fluss mit Krokodilen und Hippos durch das Blattwerk schimmern. Häufig halten wir an, machen auch die Mittagspause einfach am Weg – man darf zwar nicht aussteigen, aber wir haben ja alles was das Herz begehrt in Greifnähe dabei!

So bewegen wir uns in den nächsten fünf Tagen langsam von Nord nach Süd, verlassen die Camps morgens um sechs, wenn das Gate öffnet, und rollen abends erst um kurz vor halb sechs, wenn die Gates schließen, wieder hinein. Rund um die Dämmerung sieht man einfach die meisten Tiere – wir haben allerdings Glück und treffen auch tagsüber auf viel Wild. Am häufigsten sehen wir natürlich die üblichen Verdächtigen: Zebras, Giraffen und Schwarzfersen-Antilopen – auch als Impalas bekannt.

IMG_9609 DSC06829 DSC06927Erst zögerlich, dann aber immer häufiger treffen wir auch auf Elefanten – mal als Einzelgänger, oft aber auch als große Herden – erst am Wasserloch im Camp, nur durch einen Zaun von uns getrennt…

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… dann in Form einer großen Herde mit vielen Kälbern – direkt vor uns auf dem Weg!

DSC06929 DSC06938Ein halbwüchsiger Bulle versucht schon Mal, uns mit einem Möchtegern-Scheinangriff zu beeindrucken…

DSC06947… und dann kommen Mama und Tante und machen klar, wer hier der Chef ist!

DSC06961Da legt dann auch der Ranger, mit dem wir zum Sunsetdrive unterwegs sind, fix den Rückwärtsgang ein!

Mehrfach sehen wir Elefanten beim Baden (und was man da sonst noch so treibt…) im Fluss – nach Aussage des Rangers ein wirklicher Glücksfall!

DSC06847Und dieser junge Herr zeigt uns direkt an der Straße, wie man effektiv an die leckere Baumrinde kommt – sehr zum Leidewesen der Bäume…

DSC07229Hier ein kurzes Elefantenvideo:

Zwischendurch genießen wir immer wieder die tolle, abwechslungsreiche Landschaft mit Baobab-Bäumen,

IMG_9633tollen Flussläufen,IMG_9734 IMG_9742 IMG_9749und Sonnenuntergangsstimmung!IMG_9777IMG_9692

Am zweiten Abend gönnen wir uns im Shingwezdi-Camp einen dreistündigen Sunsetdrive und haben das Glück, das Safarifahrzeug ganz für uns alleine zu haben!

IMG_9673Kurz vor dem Sonnenuntergang treffen wir erst auf eine große Elefantenherde, im Dunklen dann noch auf weitere Elefanten, einen Büffel, viele Huftiere und dann – gegen Ende des Drives – tatsächlich auf einen Hyäne…

IMG_9712 …und drei Löwinnen, die gerade auf die Jagd gehen.DSC06979 Am nächsten Morgen sind wir um kurz nach sechs wieder an derselben Stelle – und die drei liegen tatsächlich vollgefuttert auf dem Asphalt und setzen sich nur langsam in Bewegung.

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Ihre männlichen Artgenossen  (die in der Regel nur fürs Fressen und nicht für die Jagd zuständig sind) treffen wir dann im Laufe der nächsten Tage: mal faul unter einem Baum liegend,

DSC07036am letzten Tag dann direkt an der Straße…DSC07313… und durch die vielen Autos ganz schön aus dem Konzept gebracht!

DSC07318Der nächste Vertreter der Big Five tritt zunächst als Einzelgänger auf

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bevor sich dann die ganze Herde präsentiert!

DSC06856Die im Park lebenden Nashörner halten sich etwas bedeckt und lassen sich nur von hinten oder aus der Ferne ablichten:

DSC07132 DSC07175Und plötzlich- wir hatten es kaum zu hoffen gewagt – sitzt direkt am Straßenrand der letzte der Big Five: ein wunderschöner Leopard, der immer wieder zu uns herüberschaut, bevor er sich langsam ins Unterholz verzieht.

DSC07154 DSC07159 DSC07169Wir sind total begeistert und kommen vor lauter Freude fast zu spät im Camp an! Es gefällt uns so gut, dass wir zwei Tage länger bleiben, nachdem wir noch einen Platz im Camp ergattert haben. Hier noch einige unserer vielen tollen Eindrücke – unter anderem entdecken wir noch die seltenen Wildhunde!

DSC07221DSC06821 DSC06884 DSC07294 DSC07202 DSC07100 DSC07077 DSC07096 DSC07055 DSC06967 DSC06924 DSC06911 DSC06879 DSC07177 DSC07182

Canyon im Dunst…

Von Johannesburg geht es in Richtung Osten. Wir passieren Ortschaften, in denen offensichtlich viel verarbeitende Industrie angesiedelt ist, und erreichen die großen Kohle- und Goldminenregionen Südafrikas rund um Witbank. Landschaft, Siedlungen und Menschen erinnern uns an das Ruhrgebiet der 80er Jahre. Erschreckend oft sehen wir auch viele sehr arme Leute, sogar ganze Familien mit kleinen Kindern, die auf einer Müllkippe leben. Armut ist vor allem in der farbigen Bevölkerung immer noch ein Riesenproblem. Irgendwann geht es in die nördlichen Ausläufer der Drakensberge. Kontinuierlich steigt die Straße an, wir passieren endlose Kiefernwälder in denen Holz geschlagen und in Plantagen auch wieder aufgeforstet wird. Würden nicht ab und an Affen die Straße kreuzen, könnte man sich fast im Sauerland wähnen. Im Örtchen Sabie finden wir ein nettes Camp bei einem älteren Ehepaar, das uns herzlich aufnimmt und mit dem wir intensiv über die politische Situation Südafrikas reden. Es scheint zur Zeit für die weiße Bevölkerung wirklich sehr schwierig zu sein, über 20 Jahre nach dem Ende der Apartheit hat sich aus ihrer Sicht der Spieß umgedreht, sie fühlen sich definitiv nicht mehr erwünscht im Land, täglich werden Farmer ermordeü. Diese Aussage hören wir immer wieder – das gibt uns schon zu denken, wirklich beurteilen können wir das allerdings nicht. So hören wir einfach nur zu und versuchen, ein ausgewogenes Bild zu bekommen.

Zwei Tage später starten wir nachDSCI0012 dem Frühstück mit Ponygesellschaft morgens in Richtung Blyde River Canyon. Er ist bis zu 800m tief und gehört damit zu den größten Naturwundern Afrikas. Eine Panoramastraße führt von Süd nach Nord durch die Berge, eine Attraktion reiht sich aIMG_9559n die nächste. Unser erster Stopp ist die sogenannten Pinacle, ein einsamer Felsendorn, der in einer Schlucht in die Luft ragt. Wenige hundert Meter weiter öffnet sich „Gods Window“, von dem aus man bei guter Sicht weit in den Krüger Nationalpark und nach Mosambik schauen kann. Leider ist es heute sehr diesig, aber der Ausblick ist trotzdem toll.

IMG_9568Hier scheint heute deutscher Tag zu sein, wir treffen auf Busladungen von Touristen, die  natürlich alle wissen wollen, wir wir mit dem deutschen Kennzeichen aus ihrer Heimat hierhergekommen sind. Außerdem bieten die Einheimischen Souvenirs aller Art an, was unsere Vier natürlich mal wieder in einen Kaufrausch verfallen lässt…

Weiter geht es zum eigentlichen Beginn des Canyons, den Bourkes Luck Potholes. Hier haben Wasserstrudel in Jahrtausenden runde Löcher in den Sandstein geschmirgelt – es sieht toll aus!

DSCI0028 DSCI0022 DSCI0021Anschließend hat man von einem weiteren Aussichtspunkt einen tollen Blick in den Canyon, der zwar auch durch roten Sandstein verläuft, aber anders als sein großer Bruder „Grand Canyon“ an den Hängen üppig grün bewachsen ist. Leider hat sich der Dunst immer noch nicht aufgelöst, so dass die Sichtweite sehr eingeschränkt ist.

IMG_9587Den aufgestauten Blyde River, der sonst blau am Fuße des Canyony schimmert, kann man in der Ferne nur erahnen.

IMG_9596Als letzte Attraktion auf der Panorama-Straße warten die „Three Rondavels“, drei Bergkegel die wie überdimensionale afrikanische Rundhütten aussehen. Sie haben die Namen der drei zänkischen Ehefrauen eines Pulana-Clanchefs aus dem 19. Jahrhundert erhalten und erinnern so an den erfolgreichen Widerstand gegen die Swasi.

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Leider trübt auch hier der Dunst die Sicht – vielleicht haben die drei sich gerade mal wieder richtig gezankt, so dass die Luft kocht???

Im Dunstkreis von Johannesburg

Nachdem wir zwei ruhige Tage bei Ed und Felicitas in Johannesburg verbracht haben, sammeln wir Hannahs beste Freundin Hannah, die zur Zeit ein Auslandsjahr in Südafrika macht, ein und verbringen das lange Wochenende rund um den 1. Mai nördlich der größten Stadt Südafrikas. Leider haben auch (gefühlt) alle Bewohner Johannesburgs dieselbe Idee, so dass alle Campsites rappelvoll sind… Aber erst einmal sind wir zum Abendessen eingeladen und genießen eine tolle Sicht auf die Downtown von Sandton, der eigentlichen Businessmeile Joburgs:

DSC06200Am nächsten Morgen geht es nach Bela Bela, dem ehemaligen Warmbad. Hier treten heiße Quellen an die Erdoberfläche, ihre heilenden Kräfte sollen besonders für Rheumapatienten wohltuend sein. Aber auch wir fühlen uns im warmen Wasser pudelwohl und bleiben für zwei Tage auf dem überfüllten Camp (und lassen uns abends von den fanatischen afrikanischen Grillfans ordentlich einräuchern – es ist atemberaubend, wirklich jeder macht sein eigenes Feuerchen und bringt damit den Campingplatz zum qualmen…).

Weiter geht es in den Pilanesberg Nationalpark, der alle Big Five bietet. Der Park ist recht klein, was den Vorteil hat, dass wir in Ruhe alle Ecken erkunden können. Er liegt in einer ringförmigen Senke, die aus erloschenen Vulkankratern besteht, und ist landschaftlich wunderschön.

IMG_9543 IMG_9535 IMG_9480Wir haben viel Glück und sehen große Elefantenherden, viele Breitmaulnashörner, Giraffen und sogar vier Geparden, die zum Frühstück ein Impala verspeisen. Auch hier sprechen die Bilder für sich:

DSC06227 DSC06233 DSC06308 DSC06369 DSC06424IMG_9522 DSC06523 DSC06543 IMG_9540 DSC06582 DSC06513 DSC06465

Im Norden der Drachenberge

Wie ein Halbmond umschließen die Drakensberge das Binnenländchen Lesotho und ragen mit ihren Gipfeln auf über 3000m Höhe. Von weitem sehen sie angeblich aus wie die Rückenzacken eines liegenden Drachen, weswegen die Buren sie vor Hunderten von Jahren so benannten. Nach unserem zugegebenermaßen kurzen und kalten Ausflug nach Lesotho besuchen wir noch die nördlichen Regionen des Gebirges, an dem sich ein Nationalpark an den nächsten reiht.

Los geht es bei Clarence, wo wir auf der Bokpoort Farm unterkommen, die als Westernranch unter anderem mit Ausritten in die Berge lockt – davon träumt Marie schon, seit wir unterwegs sind. Wir buchen einen zweistündigen Familienausritt undDSCI0748-001 starten morgens um halb zehn – zuerst heißt es Helme ausprobieren und Pferde zugewiesen bekommen. Nachdem die grundlegenden Griffe geklärt sind und Ruben noch schnell nachfragt, wo denn die Bremse sei, geht es los. Im Gänsemarsch, immer schön hinter dem Leitpferd mit Guide her, zockeln wir bergab – seeehr langsam und ganz schön wackelig, zumal DSCI0769-001man sich beim Westernreiten eine Hand immer für das Lasso freihält…. Irgendwann darf es auch mal etwas Trab sein – eine ganz schön holperige Angelegenheit, bei der nicht alle wirklich den Rhythmus finden. Der Guide gibt die Anweisung, immer schön locker zu bleiben, was bei Judith leider zu der Figur „Mehlsack“ führt. Am besten hält sich Marie – sie wollte ja schließlich auch reiten! Lea und Ruben kämpfen mit dem Gas geben und der Lenkung – zum Glück sind die Pferde darauf trainiert, immer dem Chef hinterherzulaufen. Nach einiger Zeit klappt es aber besser, so dass Marie die Führung übernehmen darf, worauf sie mächtig stolz ist. Weiter geht es über Stock und Stein, bergauf und bergab und durch eine kleinen Bachlauf, bis uns ein Schlussspurt im Galopp (bei dem Judith fast von einem Ast vom Pferd gefegt wird) nach knapp drei Stunden wieder wohlbehalten zur Farm bringt.

DSCI0787-001 DSCI0800-001 DSCI0865-001Von hier reisen wir weiter in den Golden Gate Nationalpark, der seinen Namen von den in der Sonne rotgold glänzenden Felsformationen hat. Hier genießen wir wieder den Herbst mit tollen Farben sowie angenehmen Temperaturen und gehen etwas Spazieren – wir alle spüren die Folgen des Reitausflug als mehr oder weniger ausgeprägten Muskelkater, so dass sich die Wanderambitionen in Grenzen halten.

DSCI0879-001 DSCI0876-001 DSCI0892Zum Abschluss besuchen wir den Royal Natal Nationalpark, in dem wir uns einen schönen Blick auf die Drachenzacken der Drakensberge erhoffen. Leider ist es ziemlich bewölkt und zieht sicht immer weiter zu, so dass daraus nichts wird. Vom Camp aus unternehmen wir nachmittags noch eine kurze Wanderung entlang eines Flusses, der immer wieder mit kleinen Wasserfällen und Kaskaden lockt.

DSCI0940 DSCI0930 DSCI0932Leider sind wir am nächsten Tag schon in Johannesburg verabredet, sonst wären wir sicher länger geblieben. So müssen wir morgens aufbrechen und können dank tiefhängender Wolken das berühmte Amphitheater, das von den drei höchsten, halbkreisartig angeordneten Berggipfeln gebildet wird, nur erahnen.

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Willkommen im Königreich des Himmels!

– mit diesen Worten empfängt uns das kleine Land Lesotho, das mitten in Südafrika, am Rande der Drakensberge, auf 1600müNN und höher liegt. Als wir den Grenzfluss in Maseru überqueren, fühlen wir uns sofort wieder in das „richtige“ Afrika zurückversetzt: die Straßen sind gesäumt von vielen Bretterbuden, aus denen gebratener Mais, Obst, Gemüse und alle möglichen anderen Dinge verkauft werden. Viele Menschen stehen und laufen herum, winken und lachen freundlich und lassen ihre Kühe oder Schafe im Graben weiden. Horden von Kindern und Jugendlichen in Schuluniformen säumen die Straßen, auch die Allerkleinsten im Kindergartenalter sind schon mutterseelenallein unterwegs. Auch die in Ostafrika so beliebten Speedhumps zur Geschwindigkeitsbegrenzung sind wieder allgegenwärtig – wir hatten sie seit Botswana schon fast vermisst… Leider holt uns auch ein weniger schöner Aspekt des nördlichen und östlichen Afrikas wieder ein: überall dort, wo größere Ansiedlungen sind, liegen Unmengen von Müll herum.

Wir lassen die Hauptstadt Maseru DSC06143schnell hinter uns liegen und wagen uns in die Bergwelt vor. Die recht neu asphaltierte Straße in Richtung Semokong windet sich in atemberaubenden Steigungen durch die Landschaft, Grüdi hat mächtig zu kämpfen. Überall fallen uns große Menschentrauben in gleichen bunten Shirts auf: mal gelb, mal rot, dann blau oder weiß, Sie tanzen auf den Straßen, singen Lieder und rufen Parolen. Später erfahren wir, dass dieses keineswegs irgendein Volksfeiertag ist, sondern dass Anfang Juni die Parlamentswahlen stattfinden und unzählige Parteien um die Gunst der Wähler buhlen – der König hat nämlich lediglich repräsentative Funktionen. Weiter im Landesinneren sind dann auch keine Parteiveranstaltungen mehr zu finden, das Leben der Menschen hier ist viel zu hart, um die Zeit mit derartigen Dingen zu vergeuden. Es gibt weder Strom noch eine Wasserversorgung, die Basothos leben in einfachen Steinhütten mit Strohdächern, bauen etwas Hirse oder Weizen an und weiden ihre Kühe und Schafe. Immer wieder passieren wir kleine Siedlungen und erstaunlich viele, oft neu erbaute Schulen.

DSC05979 IMG_9429Als wir Mittagspause machen, stehen plötzlich zwei kleine Jungen an der anderen Straßenseite und versuchen, uns auf einer Art Gitarre etwas vorzuspielen. Es klingt zwar wenig melodiös, aber natürlich bekommen sie auch jeder einen unserer Pfannekuchen ab. Wenige Minuten später wird Jochen von einer jungen Frau angesprochen, die uns zum Campen in ihr Guesthouse einlädt. Wir folgen der Einladung und übernachten auf ihrem Gelände, das sie recht rustikal, aber gemütlich hergerichtet hat.

Nachdem wir in den letzten Tagen an den Temperaturen und dem Herbstlaub schon gemerkt hatten, dass der „Winter“ naht, bekommen wir das in dieser Nacht sehr deutlich zu spüren: es wird bitterkalt, als wir morgens aufwachen zeigt das Termometer -3°C, und wir sind von Rauhreif umgeben. Grüdi tut sich beim Starten richtig schwer – diese Temperaturen ist er nicht mehr gewöhnt und mag sie gar nicht!

DSCI0724Auch wir bibbern ziemlich, die Kinder verlassen ihre Schlafsäcke vorsichtshalber gar nicht erst. Die Schulmädchen, die uns früh um sieben entgegenkommen, haben aber alle noch kurze Röcke an – Winterschuluniform ist erst ab Mai erlaubt! Auf unserem Weg durch die wunderschöne Landschaft treffen wir immer wieder auf junge Männer, die in dicke Decken gehüllt mit ihren Schafen oder Rindern unterwegs sind.IMG_9424Es sind nur wenige private Autos zu sehen, Hauptfortbewegungsmittel im Bergland ist das Pferd.

IMG_9425 IMG_9436In Semokong müssen auch wir die Teerstraße verlassen, um die Maletsunyane-Wasserfälle zu erreichen. Recht holprig, steil und eng ist der Weg, der uns auf den Canyon zuführt.

DSC06045 DSC06060Schließlich können wir etwas oberhalb des Falles parken und die Aussicht genießen.

IMG_9450 IMG_9464 Auf dem Rückweg erleben wir ein weiteres Mal, wie hart das Leben der Menschen hier noch ist: die Feldarbeit wird komplett per Hand erledigt, das Getreide gedroschen wie bei uns vor über hundert Jahren.

IMG_9468 DSC06104Hannah wird zum Helfen aufgefordert, möchte aber doch lieber mit uns weiterfahren. Wir genießen weiter das tolle Panorama, bleiben aber nur noch eine weitere Nacht – das Königreich des Himmels ist einfach zu kalt für uns und vor allem für Grüdis Batterie…

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Diamantenfieber und Frostbeulen

Nach dem Versorgungs- und Waschstopp in Upington rollen wir bei strahlend blauem Himmel in Richtung Osten, unser Ziel heißt Kimberley. Die 100.000-Einwohner-Stadt verdankt ihre Entstehung großen Diamantenfunden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Cecil Rhodes, späterer Premierminister und Namensgeber der britischen Kolonien Süd- und Nordrhodesien (heute Simbabwe), errichtete mit der Firma „De Beers“ die größte Mine Kimberleys. Heute spielt der Diamantenabbau nur noch eine untergeordnete Rolle. Rund um das „Big Hole“ und die ihm angegliederte nachgebaute Dimantengräberstadt kann man aber sehr anschaulich die Geschichte und den rasanten Aufstieg nachvollziehen.

Aus dem Big Hole wurden von IMG_93411871 bis 1914 im Tagebau insgesamt 2.722 Kilogramm Diamanten (=über 14 Mio Karat)  gefördert. Es ist mit 241m das tiefste per Hand gegrabene Tagebauloch der Welt. Heute ist es 40 m tief mit Wasser gefüllt und liegt mitten in der Stadt Kimberley, seine Fläche beträgt 17 Hektar, der Umfang 1,6 km.

DSC05952Wir stehen (mal wieder als einzige Gäste) auf dem städtischen Campingplatz direkt neben dem alten Tagebau. Von hier können wir die als kleines Freilichtmuseum konzipierte Anlage besichtigen und starten die Tour mit einer sehr informativen und kurzweiligen Führung, die auf der Plattform über dem Loch beginnt und uns auch in IMG_9356den nachgebauten Untertageabbau, der heute noch getätigt wird, führt. Zum Schluß der Führung erhalten wir sogar Eintritt in einen hochgesicherten Bereich, in dem besonders wertvolle Diamanten gezeigt werden – nun verstehen wir auch den Sicherheitscheck, bei dem Jochen (mal wieder) seinen Leatherman abgeben musste…

IMG_9343 IMG_9348Um den alten Tagebau herum wurden viele alte Gebäude aus der Zeit des Diamantenfiebers wieder aufgebaut, so dass wir das Leben der Menschen gut nachvollziehen können.

IMG_9368 IMG_9367 IMG_9372 IMG_9369 IMG_9374 IMG_9335Auch wenn wir uns große Mühe geben, können wir doch leider keinen Diamanten mehr auf dem Boden finden…. Zum Abschluss gibt es eine kleine Rundfahrt mit der originalen Tram, die noch auf den Schienen, die Anfang des 20. Jahrhunderts rund um das Big Hole gelegt wurden, fährt.

Von Kimberley zieht es uns dann in den Mokala-Nationalpark, den jüngsten südafrikanischen Park, in dem wir endlich Nashörner sehen wollen! Leider haben wir aber nicht berücksichtigt, dass hier rund um Ostern natürlich Ferien sind, was bedeutet dass alle Camps in den Parks ausgebucht sind (Campen ist nach dem Braai Nationalsport Nr. 2… in Südafrika). Am Gate DSC05827verweisen uns die sehr hilfreichen Ranger  aber an die Eureka-Farm von Albert und Elsa Voster, die auf ihrer Rinderfarm zwei kleine Ecocamps aufbauen.DSC05829 Ecocamp bedeutet hierbei nichts anderes als dass man wirklich ohne Strom und Wasser mitten in der Wildnis steht, nur eine kleine Feuerstelle ist eingerichtet und ein modernes Plumpsklo installiert. Wir stehen einige Kilometer vom Farmhaus enfernt direkt am Damm, der nach vier Jahren ohne Niederschlag nun seit Anfang Januar langsam wieder vollregnet, und verbringen eine herrlich ruhige Nacht. Leider setzt in den frühen Morgenstunden Regen ein und verwandelt unsere Umgebung in eine schmierige Rutschbahn. Albert und Elsa, beide Mitte Siebzig, sind extrem bemüht um uns, und so steht Albert schon zum DSC05809Frühstück wieder bei uns und bringt einen Kanister mit Trinkwasser. Dann lädt er uns alle in seinen Toyota ein und wir bekommen von ihm und seiner Frau eine dreistündige Rundfahrt über das 750 Hektar große Farmgelände. Wir sehen Oryx, Springbock, Kuhantilopen, Kudus und natürlich Rinder, die aber urafrikanisch sind und alle eine individuelle, wunderschöne Fellzeichnung haben. Anschließend darf Marie noch die Pferde besuchen und ist natürlich happy…DSC05821Nachmittags wandern wir noch auf Büffel- und Rhino-Pirsch direkt am Zaun zum Nationalpark entlang, bekommen aber leider keinen der beiden Big Five zu sehen. DSC05839 DSC05841

Nach zwei Nächten auf der Farm starten wir am Karfreitag frühmorgens zum Park, um ihn in einem Tagestrip zu durchqueren. Leider sind aufgrund des starken Regens die meisten Loops gesperrt, so dass wir uns nur auf der Hauptpiste bewegen können (aber lieber so, als wieder für fünf Tage irgendwo im Schlamm zu stecken…). Wir frühstücken an einem Wasserloch und bekommen die üblichen Verdächtigen zu sehen: Zebras, Gnus, Springböcke und Oryxantilopen – alle schön, aber wir wollen doch endlich mal ein Nashorn sehen! Und plötzlich spaziert es direkt vor uns über die Straße, lässt sich von Grüdi aber schnell ins Gebüsch jagen und umrundet uns einmal mit etwas Abstand.

DSC05863 DSC05864Es gibt sie also wirklich hier – sowohl in der Spitzmaul- als auch in der Breitmaulausführung!

Mittags halten wir an einem „Bird Hide“ und stellen fest, dass man hier offensichtlich übernachten kann. Als wir später an der Rezeption nachfragen, ist diese Option tatsächlich noch zu haben, und entgegen unseren Plänen (eigentlich wollten wir Ostern schon in Lesotho verbringen) bleiben wir noch eine dritte Nacht in der Region. Auf Umwegen rollen wir zurück zum „Bird Hide“ und richten uns häuslich ein. In dem Unterstand, der direkt an einem großen Damm liegt, gibt es vier Betten, die man von der Wand klappen kann, und einen extra gesicherten Bereich mit Feuerstelle, dazu noch eine Toilette und sogar eine Dusche sowie Solarlampen.

IMG_9384IMG_9382 Wir entfachen das Feuer, setzen Stockbrotteig an und beobachten im Sonnenuntergang die Tiere, die zum Trinken kommen. Neben Grünmeerkatzen, Helmperlhühnern und anderen Wasservögeln sehen wir sogar…

DSC05914…kleine Kudus…DSC05883…und große Kuduweibchen!DSC05929Als es dunkel wird, bauen die Kinder die Schlafstätten auf und machen sich „winterfest“ – es wird nachts nämlich empfindlich kalt!

IMG_9405IMG_9406Danach beobachten wir noch lange den dunklen See, bewundern die Sterne, die sich im Wasser spiegeln und stellen fest, dass es tatsächlich immer kälter wird… Leider kommen keine Nashörner oder Büffel zum Trinken vorbei, lediglich die Enten und Gänse machen etwas Radau.

IMG_9396Irgendwann geht der Mond auf und beleuchtet so die Szenerie zusätzlich – einfach nur toll!!! IMG_9413Dank der Kälte – wir haben nur noch 4°C – fühlen wir uns wie Frostbeulen und sind fast alle vor sechs Uhr auf, um vielleicht doch noch Tiere zu sehen. Ein heißer Kakao kann uns etwas erwärmen, aber so richtig tauen wir erst auf, als wir wieder im Grüdi sitzen und die Fahrt zum Gate genießen… DSC05944 DSC05901

Wildcard-Einsatz im Norden Südafrikas

Für Südafrika kaufen wir uns die Wildcard, die für die ganze Familie an 365 Tagen Eintritt in 80 Nationalparks und -reservate verspricht. Die Karte kostet knapp 300,- € – so viel hätten wir in Kenia für nur einen Tag im Park bezahlt! Die Investition lohnt sich also auf jeden Fall, und wir beginnen direkt im Nordwesten mit dem Einsatz.

Von Upington, wo wir unser erstes Nachtlager aufgeschlagen haben, fahren wir zu den Ausgrabies Falls, an denen sich der Oranje-River in Kaskaden in die Tiefe stürzt. Leider hat es in den letzten Monaten im Einzugsgebiet nur wenig Regen gegeben, so dass der Wasserfall eher einem Rinnsal gleicht. Aber die Aussicht auf die großen, vom Wasser rundgeschliffenen Felsen ist trotzdem schon beeindruckend.

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BIMG_9280esonders interessant sind auf die Felsen, die teilweise halb in der Luft zu schweben scheinen.

Wir bleiben für zwei Nächte auf dem staatlichen Camp und haben das zweifelhalfte Vergnügen, die Grillkünste unserer burisch-südafrikanischen Nachbarn zu genießen – das Ganze ähnelt eher einem Rauchopfer, und das vom Frühstück bis zum Schlafengehen…

IMG_9311Wie schon so häufig wimmelt es im Camp von Grünmeerkatzen, einer Affenart die wirklich wild auf Lebensmittel aller Art ist. Sie scheinen sich mit den Klippschiefern, die hier auch in Massen unterwegs sind, verbündet zu haben: diese lenken unsere Kinder, die eigentlich den gedeckten Tisch bewachen sollen, mit ihrer putzigen Art ab, damit Affen dann das Brot klauen können – perfekte Symbiose!!!

DSC05538 DSC05539Obwohl sich der Sommer hier auf der Südhalbkugel langsam verabschiedet, ist es tagsüber sehr warm. so dass sich unsere Aktivitäten auf Poolbesuche und im Schatten sitzen beschränken – für eine der Wanderungen, die hier angeboten werden, ist es einfach zu heiß. Gegen Abend geht es nochmal zu den Fällen, die alle durch ein sehr gut ausgebautes Wegesystem aus Holzstegen miteinander verbunden sind. Im Licht der schwindenden Sonne wirkt die Landschaft nochmal ganz anders.

DSC05604IMG_9301 Auf den Felsen rund um die Fälle wimmelt es von Geckos aller Art, die in interessanten Farben leuchten.

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Ebenso entdecken wir überall Klippschiefer, die sich allerdings nicht so gerne ablichten lassen und weglaufen – nur dieser hier war wohl nicht schnell genug, er ist ja auch ganz schön moppelig…

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Weiter geht es in den nächsten Nationalpark – wir starten unseren zweiten Versuch, in den Kgalagadi Transfrontier NP zu kommen. Zur Erinnerung: dort wollten wir schon Anfang Februar von Botswana aus hin, blieben damals aber in der Zentralkalahari stecken… Kgalagadi ist das Buschmann-Wort für Kalahari und bezeichnet einen länderübergreifenden Park zwischen Botswana, Südafrika und dem Grenzbereich zu Namibia. Leider haben wir keinen Campingplatz vorgebucht und nicht gewusst, dass in Südafrika zwei Wochen Osterferien sind. So können wir nur für eine Nacht ein Camp im Park ergattern, was unseren Aktionsradius natürlich ziemlich einschränkt und uns nur zwei relativ kleine Runden auf den Hauptpisten entlang des trockenen Nossob-Tals drehen lässt.

IMG_9325Da es in diesem Jahr – wie wir ja am eigenen Leib erfahren durften  – viel Regen in der Kalahari gegeben hat, ist auch hier die Landschaft recht grün, die berühmten roten Sanddünen sind in weiten Teilen von Gras überzogen. So halten sich auch die schwarzmähnigen Kalaharilöwen gut versteckt, wir können leider nur drei Weibchen und ein Männchen in ziemlicher Distanz entdecken.

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Reichlich zu sehen bekommen wir die üblichen Kalahari-Bewohner wie Springböcke, Oryx-Antilopen, Gnus und Kuhantilopen, die sich in Hundertschaften um die Wasserlöcher scharen.

DSCI0657 DSCI0674 DSCI0667 DSCI0653DSC05695Auch ein kleiner Schabracken-Schakal erscheint zum Trinken, der allerdings für die Huftiere überhaupt keine Gefahr darzustellen scheint.

DSC05734Überall in den Bäumen hängen riesige Webervogelnester, die auch gerne mal mitsamt Baum zusammenbrechen, wenn das Gewicht zu groß wird.

IMG_9321Aber nicht nur Hunderte von Webervögeln wohnen hier, es gibt auch größere Untermieter:

DSC05760Aus dem gefiederten Tierreich bekommen wir noch weitere Vertreter zu Gesicht: den Sekretärvogel, der wirklich sehr gestelzt und wie in einem Frack daherkommt,

DSC05752einen Raubvogel – vielleicht ein Kampfadler (unsere ornithologischen Kenntnisse sind leider schlecht…)

DSC05716 und eine Straußenfamilie mit fünf Jungtieren, denen Grüdi aber leider zu laut ist – eigentlich alles Tiere, die wir in den letzten Monaten schon häufiger zu sehen bekommen haben.

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Ein lang ersehntes neues Tier bekommen wir aber doch noch zu Gesicht: das Erdmännchen – nicht zu verwechseln mit den Erdhörnchen, die hier in Massen leben. DSC05674Unterscheidungsmerkmal ist der Schwanz: beim Erdmännchen dünn, beim Erdhörnchen buschig ist und gerne als Sonnenschutz genutzt wird (bei diesem Exemplar leider zu kurz geraten…).

DSC05729Bei der Ausfahrt aus dem Park überfahren wir erst noch eine Puffotter, die sich wie durch ein Wunder zwischen Vorder- und Hinterreifen hindurch retten kann, sehen dann noch eine Kap-Kobra und zu guter Letzt noch eine Schildkröte.

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Die beiden erstgenannten waren leider zu schnell für ein Foto…